

Noch vor wenigen Monaten wäre es für Trump und die republikanische Partei undenkbar gewesen, im amerikanischen Bundesstaat Texas eine Wahl zu verlieren. Der Staat ist historisch gesehen die Hochburg des amerikanischen Konservatismus und wird generell als „The Red State“ bezeichnet. Trumps Vertrauen in Texas ist so groß, dass die umstrittene Einwanderungs-Polizei ICE nach ihren Einsätzen die gefangengenommenen Immigranten sofort in den roten Bundesstaat transportiert, um zu umgehen, dass Gerichtshöfe in anderen Bundesstaaten die Festnahmen rückgängig machen. In Zukunft kann sich das jedoch ändern, denn in einer vorgezogenen Wahl im größten Wahldistrikt in Texas haben die Wähler gerade einen Demokraten in das amerikanische Oberhaus gewählt.
Entsetzen unter den Republikanern
Die Wahl in Tarrant County fand am vergangenen Wochenende statt, nachdem der bisherige republikanische Repräsentant für den Wahlkreis im Senat zurückgetreten war, um sich anderen Aufgaben zu widmen. In den letzten Wahlen hatten die Republikaner den Wahlkreis souverän mit einer Mehrheit von 17 Punkten gewonnen. Noch in der letzten Woche hatte Trump sich für die republikanische Kandidatin Leigh Wambsganss stark gemacht, ohne Erfolg. Stattdessen gewann der demokratische Repräsentant Taylor Rehmet, ein eingefleischter ehemaliger Gewerkschaftler und Veteran, den Wahlbezirk mit einer überwiegenden Mehrheit von14 Punkten. Republikaner in den gesamten Vereinigten Staaten reagieren mit Entsetzen auf den Verlust des Sitzes. Der stellvertretende Gouverneur von Texas, Dan Patrick, nannte das Wahlergebnis einen „Weckruf für Republikaner in ganz Texas“.
Wähler trotzen Kälte und langen Schlangen
Die Wahlen fielen in eine der schlimmsten Kälteperioden in Texas, und Schnee, Eis sowie Temperaturen unter dem Gefrierpunkt boten die schlechtesten Voraussetzungen, um Wähler aus dem Haus und an die Wahlurnen zu bringen. Dennoch war die Wahlbeteiligung verhältnismäßig hoch und Wähler standen oft bis zu einer Stunde in Warteschlangen außerhalb der Wahllokale, um ihre Stimmen abzugeben. Der demokratische Gewinner Rehmet hatte sich besonders für erträgliche Lebenshaltungskosten und ein verbessertes Bildungswesen stark gemacht und glaubt, dass seine Wahlversprechen besonders bei den arbeitenden Familien Anklang gefunden haben. „Hier geht es nicht um Rot gegen Blau, sondern um richtig gegen falsch. Hier geht es um die Finanzierung öffentlicher Schulen. Hier geht es darum, arbeitenden Menschen zu helfen. Hier geht es darum, Kosten zu senken. Hier geht es um ganz normale Menschen”, sagte Rehmet nach der Veröffentlichung seines Wahlgewinns.