

Seit dem Einmarsch russischer Truppen im Jahre 2014 ist die ukrainische Halbinsel am Schwarzen Meer das am heißesten umkämpfte Gebiet im Ukraine-Krieg und der Inbegriff russischer Aggression. Die einst malerische Urlaubsregion wurde seither in ein Schlachtfeld verwandelt, auf dem die rund zwei Millionen Einwohner der Krim ständig zwischen russischen Übergriffen, darunter auch grausame Kindesentführungen und Zwangsumsiedlungen zum Vorteil von russischen Staatsbürgern, und ukrainischem Beschuss geraten. Jetzt sieht es so aus, als ob die Ukraine zum ersten Mal seit dem russischen Einmarsch auf die Krim endlich die Oberhand im Kampf um die Halbinsel gewinnt. Seit der vergangenen Woche ist es den Ukrainern gelungen, die Krim von den russischen Machthabern zu isolieren.
Vorläufig ohne ukrainische Verluste
Der gelungene Schlag gegen die russischen Besatzer kommt ganz ohne ukrainische Verluste, denn die Oberbefehlshaber in Kiew verlassen sich bei der Kriegsführung auf der Krim gänzlich auf moderne Technologie und Künstliche Intelligenz. Dabei spielen Drohnen, die über Satelliten des Starlink-Netzwerks gesteuert werden, eine große Rolle. Ziel der Operation ist es, die Zufahrtswege auf die Halbinsel, darunter mehrere strategisch wichtige Brücken, durch Drohnenangriffe zu zerstören oder unbefahrbar zu machen. Die Strategie hat sich ausgezahlt, denn aufgrund der damit verbundenen Liefereinschränkung ist schon jetzt der Treibstoff auf der Halbinsel so knapp, dass die Einwohner eine Sondererlaubnis benötigen, um überhaupt an der Tankstelle erscheinen zu dürfen. Hinzu kommen starke Einschränkungen im Zugverkehr von und auf die Krim, nachdem die Ukrainer letzte Woche einen Volltreffer auf einem Güterzug erzielt hatten und der Schienentransport bis auf Weiteres eingestellt werden muss.
Mögliche Bodenoffensive der Ukraine
Internationale Militärexperten und Beobachter gehen davon aus, dass die Ukraine eine Bodenoffensive plant, um das von Russland annektierte Gebiet zurückzugewinnen. Indem die Ukrainer die Krim von Russland isoliert, erhofft man sich, das Gebiet mit so wenigen Verlusten wie möglich zurückzuerobern. In der Zwischenzeit müssen drei bis vier Millionen Russen, die alljährlich auf der Krim Urlaub machen, sich nach einem anderen Urlaubsziel umsehen. Die Auswahl wird jedoch immer kleiner, nachdem jetzt auch die EU beschlossen hat, russische Staatsbürger von Ferienaufenthalten in unter anderem Deutschland zu exkludieren. Über eine halbe Million russische Touristen reisen jährlich in die EU-Zone ein, um Ferien zu machen, ungefähr 30 000 davon in Deutschland. Mit neuen Maßnahmen soll jetzt der russische Touristenstrom abgestellt werden. Oppositionelle Russen werden allerdings von der Visasperre herausgehalten.