

Es handelt sich um einen altbewährten Betrug, dem die Betrüger nun eine besonders perfide neue Variante hinzugefügt haben. Die Polizei warnt dringend: Ist man einmal auf diesen Betrug hereingefallen, kann es sehr schwierig sein, sich den Machenschaften der Betrüger zu entziehen.
Es ist allgemein bekannt, dass alte Enzyklopädien ein Vermögen wert sein können. Für viele Menschen war der Kauf einer seltenen Reihe eine Investition für die Zukunft – ein finanzielles Polster für das Alter. Die derzeitigen schwierigen Zeiten und die attraktiven Preise, die solche Bücher erzielen können, verleiten viele nun dazu, ihre Sammlungen zum Verkauf anzubieten. Wer jedoch nicht vorsichtig ist, so warnt die Polizei, verliert am Ende nicht nur seine Bücher, sondern hat auch Zehntausende Euro Schulden.
74.000 Euro für Bertelsmann-Enzyklopädie-Reihe
Die Verbraucherzentrale berichtet von einem der jüngsten Fälle. Darin war ein Ehepaar aus Sachsen überglücklich, als es ein fantastisches Angebot für seine Bertelsmann-Sammlung erhielt. Es wurde von einem Unternehmen aus Berlin, der „Raritäts- und Kunstvermittlung“, kontaktiert, das ihm mitteilte, einen Käufer für die Bücher gefunden zu haben. Die Rede war von einem Verkaufspreis von sage und schreibe 74.000 Euro.
Kurze Zeit später war das Paar hocherfreut, tatsächlich eine Anzahlung in Höhe von 30.000 Euro zu erhalten. Doch genau zu diesem Zeitpunkt nahm der Fall eine böse Wendung. Das erhaltene Geld, so hieß es in einem Schreiben, müsse bis zum Abschluss des Verkaufs und zur Begleichung aller Kosten bei dem Unternehmen verbleiben. Sie wurden daher gebeten, den Betrag auf ein Konto der S.A.H. International GmbH zu überweisen – ein Zwischenkonto der Berliner Kunstvermittlung, von dem aus die Kosten beglichen werden sollten.
Verbraucherzentrale leistet entscheidende Hilfe
Das Ehepaar fühlte sich äußerst unwohl dabei, das gerade erst erhaltene Geld weiterzuleiten, beschloss jedoch, dem Unternehmen zu vertrauen. Sie führten die Überweisung durch. Zu diesem Zeitpunkt beschlossen sie aber auch, die Verbraucherzentrale zu konsultieren, die ihnen bestätigte, dass sie allen Grund hatten, misstrauisch zu sein! Das Paar rief sofort seine Bank an und stoppte die Überweisung. Und das war auch gut so – denn wenige Tage später erhielten sie einen Kreditvertrag von einer Bank – für mehr als die 30.000 Euro, die sie erhalten hatten. Die Betrüger hatten offenbar vor, das Geld und die wertvollen Bücher zu stehlen. Glücklicherweise war es noch möglich, den Vertrag zu widerrufen.
Polizei warnt vor gefährlichen Varianten dieser Betrugsmasche
Wie die Polizei warnt, gibt es auch Varianten dieser Masche: So könnte beispielsweise ein Unternehmen wie die „Raritäts- und Kunstvermittlung“ anbieten, den Verkauf einer Reihe zu einem fantastischen Preis vermitteln zu können – allerdings nur, wenn der Verkäufer fehlende Bücher hinzufügt. Diese würde der hilfreiche Raritätenhändler dann für ihn ausfindig machen – gegen einen fünfstelligen Betrag. Auch hier wird den Opfern ein Kreditvertrag angeboten, um ihnen zu helfen, die gewünschten Bücher zu erwerben. Oft wird an dieser Stelle Druck ausgeübt. Bei der Lieferung erweisen sich diese Bücher jedoch, wie die Polizei schreibt, als völlig wertlos – sie sind nicht einmal einen Bruchteil dessen wert, was sie gekostet haben.
Die Verkäuferdatenbank, für deren Eintragung der ahnungslose Verkäufer der Bücherreihe hohe Gebühren gezahlt hat, entpuppt sich dann ebenfalls als nicht existierend.
Um sich vor solchen Betrügern zu schützen, rät die Polizei, niemals Vertreter in Ihr Haus zu lassen, die Ihnen Bücher oder andere Waren anbieten. Unterzeichnen Sie keine Dokumente vor Ort – holen Sie immer unabhängigen Rat ein, beispielsweise bei der Verbraucherzentrale – und lassen Sie keine persönlichen Dokumente kopieren oder fotografieren. Wenn Sie darüber nachdenken, Bücher zu verkaufen oder zu kaufen, sollten Sie sich zunächst sorgfältig informieren und unabhängigen Rat einholen, was Sie erwartet. Lassen Sie sich nicht von einem „Käufer“ unter Druck setzen, der Ihnen einen fantastischen Betrag anbietet. Wenn Sie zu irgendeinem Zeitpunkt den Verdacht haben, dass es sich um einen Betrug handelt, sollten Sie sofort die Polizei benachrichtigen.