260.000 Corona-Neuinfektionen nach einem Mega-Event

Mehr als eine Viertel Million Infektionen lassen sich auf ein einziges Event zurückführen. Zu dem Ergebnis kamen US-Forscher, die die Zahl der Neuinfektionen der vergangenen zwei Monate analysierten.

Die vermutlich weltweit größte Menschenansammlung seit Beginn der Pandemie war das traditionelle Biker-Treffen „Sturgis Motorcycle Rally“ im US-Bundesstaat South Dakota. Das Mega-Event mit 460.000 Teilnehmern aus dem ganzen Land soll 260.000 Corona-Neuinfektionen in den USA verursacht haben. Dieses Ergebnis veröffentlichten Wissenschaftler des Center for Health Economics & Policy Studies (CHEPS) der Universität San Diego.

Die Forscher zeigten eine Kurve über das Infektionsgeschehen in den USA sowie in South Dakota, wo das Event stattfand, nebeneinander. In dem Gastgeber-Bundesstaat zeigte die Kurve zum Zeitpunkt des Events (7. – 17. August) langsam aber sichtbar eine Bewegung nach oben, die sich dann schnell steigerte. Heftiger jedoch ist der Einfluss auf das Infektionsgeschehen in Gesamt-USA. Hier macht die Kurve wenige Tage nach dem Event einen steilen Knick nach oben – offensichtlich dann nämlich, wenn die meisten der 460.000 Teilnehmer heimgekehrt waren.

Die Forscher begründeten diesen heftigen Ausbruch mit mehreren „Worst-Case“-Faktoren, die auf dem Biker-Event zusammengekommen waren: Die Veranstaltung überdauerte fast 10 Tage und in dieser Zeit bewegten sich die Teilnehmer in dicht gedrängten durchmischten Gruppen. Es gab keinerlei Auflagen zum Tragen einer Maske. Die Teilnehmer waren aus dem gesamten Staatenraum der USA angereist und verteilten die Infektion entsprechend großflächig bei ihrer Heimkehr.

Die Forscher aus San Diego hatten im Rahmen ihrer Studie die Teile des Landes analysiert, in denen die meisten Event-Teilnehmer beheimatet sind und kamen zu dem Schluss, dass das Mega-Event sehr wahrscheinlich für 260.000 Neuinfektion verantwortlich sei. Dies entspreche 19 Prozent aller gemeldeten Fälle in den USA im Zeitraum vom 2. August bis 2. September. Diese Zahl ist auch weit höher als die offiziell gezählte Infektionskette, die aufgrund von Kontakt-Verfolgung erfasst worden war.

Im Schlusswort der Studie wagen die Wissenschaftler eine knallharte Rechnung: Statistisch gesehen würde das Gesundheitssystem für eine einzelne Infektion mit 46.000 US-Dollar belastet. Das heißt: „Wenn wir davon ausgehen, dass alle diese Fälle nicht tödlich waren, dann sind dem amerikanischen Gesundheitssystem Kosten in Höhe von etwa 12,2 Milliarden US-Dollar (10 Milliarden Euro) entstanden.“ Weiter folgern die Wissenschaftler: Man hätte rechnerisch gesehen, jedem Einzelnen der 462.182 Teilnehmer 26.553 Dollar zahlen können, damit er NICHT zur „Sturgis Motorcycle Rally“ fährt.

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