500.000 Kunden betroffen – Dieser Stromdiscounter ist nach massiven Beschwerden pleite

Die Probleme hatten sich in der letzten Zeit gehäuft, nun ist der Stromversorger BEV Energie pleite. Schon länger stand das Unternehmen aus München wegen des sehr fragwürdigen Geschäftsmodell in der Kritik.

Der in der Vergangenheit immer stärker in die Kritik geratene Stromanbieter BEV Energie ist zahlungsunfähig. Das zuständige Amtsgericht in München bestätigte, dass das Unternehmen am Dienstag unter Insolvenzverwaltung gestellt worden ist (AZ.: 1513 IN 219/19). Auch die Firma bestätigte in einer Pressemitteilung die Insolvenz. “Die BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH war zuletzt durch gestiegene Energie-Beschaffungskosten in Schwierigkeiten geraten”, heißt es in dem Schreiben. “Ab sofort” sollen die Kunden des Unternehmens über die Grundversorger mit Strom und Gas beliefert werden. Es wurde durch das Unternehmen eine Homepage zur besseren Information der Kunden und den Gläubigern eingerichtet.

In den vergangenen Wochen war die BEV Energie wegen unverhältnismäßigen Preiserhöhungen in die Kritik geraten. Zuvor wurden die Kunden mit günstigen Angeboten zum Versorger gelockt. Wie bereits an dieser Stelle und auch in der “Wirtschaftswoche” berichtet, seien bei verschiedenen Kunden die monatlichen Grundpreise um mehrere hundert Prozent angehoben worden. Weiter schreibt das Blatt, dass viele Kunden eigentlich noch von der Preisgarantie des Unternehmens geschützt gewesen. Diese Preispolitik soll auf Grund einer hohen Kündigungsquote durchgeführt worden sein, weil dadurch eine extreme Schieflage im Geschäftsmodell des Stromdiscounter entstanden ist.

Auch bemängelten viele Kunden neben den Preiserhöhungen auch nicht ausgezahlte Guthaben sowie wiederholt fehlerhafte oder verspätete Rechnungen. Diese Beschwerden führten dann im Januar zu einem Aufsichtsverfahren, das durch die Bundesnetzagentur gegen das Unternehmen eröffnet wurde. Im Zuge dessen kritisierte der bayerische Wirtschaftsminister das Unternehmen öffentlich: “Ich warne die BEV Energie davor, das Vertrauen ihrer Kunden weiter zu missbrauchen. Dies würde letzten Endes nicht nur dem Unternehmen selbst schaden, sondern auch zu einem Imageschaden der gesamten Energieversorger-Branche führen.“

Im Jahre 2013 wurde die BEV Energie gegründet. Die “Bild”-Zeitung berichtete, dass der Stromanbieter seine bis zu 500.000 Kunden in erster Linie über Vergleichsportale im Internet gewann. Die Frage bleibt nun, ob diese Kunden die noch offenen Auszahlungen und Boni noch erhalten werden. Die Entscheidung darüber wird in den nächsten Monaten der Insolvenzverwalter nach Ermittlung aller Vermögenswerte fällen. Bis dahin müssen sich die Betroffenen noch gedulden.