Android möglicherweise bald kostenpflichtig – Google wehrt sich gegen EU-Vorwürfe

Zum zweiten Mal sieht sich Google einer Rekordstrafe entgegen, weil das Unternehmen unfaire Wettbewerbsvorteile nutzen würde. Google-Chef Sundar Pichai droht jetzt, dass Android angesichts der EU-Entscheidungen kostenpflichtig werden könnte.

2017 wurde Google erst für angeblich unfaire Praktiken bei der Online-Shopping-Suche gerügt. Jetzt steht der US-Konzern wegen seines Betriebssystems Android am Pranger. Die Entscheidungsträger in Brüssel behaupten, Google nutze seine Marktvorherrschaft unter den Smartphone-Betriebssystemen aus, um die Nutzung der Google Suche zu sichern. Google hatte den Smartphone-Markt in Windeseile erobert, da Android den Geräteherstellern kostenlos zur Verfügung gestellt wird.

Die EU verhängte nun ein Bußgeld von ca. 4 Milliarden Euro. Weiter drohen „Zwangsgelder von bis zu fünf Prozent des durchschnittlichen weltweiten Tagesumsatzes“, wenn Google auf die Vorwürfe nicht binnen 90 Tagen reagiert. Google-Chef Sundar Pichai feuert zurück: Unter den Brüsseler Bedingungen sehe er die Möglichkeit bedroht, das Android-Betriebssystem weiter kostenlos zur Verfügung zu stellen. „Die heutige Entscheidung lehnt das Geschäftsmodell ab, das Android unterstützt – das für mehr und nicht weniger Auswahl für alle gesorgt hat“, kritisierte Pichai.

Dieses Geschäftsmodell beinhaltet, dass das kostenlose Android-System und die Vorinstallation wichtiger Apps nur unter bestimmten Auflagen genehmigt wird. Diese Auflagen sollen es Mitbewerbern schwer bis unmöglich machen, in den Markt einzutreten. Zu den Bedingungen gehört, dass Google die beliebten Apps Google Play Store oder YouTube vorinstalliert nur im Gesamtpaket anbietet. Laut US-Unternehmen Google wird kein Hersteller gezwungen, überhaupt Google-Apps vorzuinstallieren. Wenn sie es tun, dann ist es ihnen jedoch untersagt, sich nur einzelne Apps herauszupicken. Aus Sicht der EU sitzt eben hier der Knackpunkt. Es gibt vermutlich nur wenige Nutzer die sich freuen würden, ein Android-Handy ohne Google Play Store zu erhalten, da dieser die komfortable Installation weiterer Apps ermöglicht. Und eben dessen Vorinstallation gestattet der US-Konzern nur geknüpft an weitere Google-Apps wie die Google-Suche und Chrome.

Die Kommissare bezeichnen die Google-Policy als „illegale Praktiken“, mit dem Ziel die „beherrschende Stellung“ bei Internet-Suchdiensten zu festigen. Daneben wirft die EU Google vor, Smartphone-Hersteller davon abgehalten zu haben, „auch nur ein einziges intelligentes Mobilgerät zu verkaufen, welches über eine alternative, von Google nicht genehmigte Android-Version“ verfüge. Als Beispiel wurde der Fall Amazon genannt. Google habe angeblich „eine Reihe von großen Herstellern“ davon abgehalten, Geräte mit dem Amazon-Betriebssystem Fire OS zu entwickeln und zu verkaufen.