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Angststudie zeigt: Die Deutschen fürchten sich vor Politikversagen

Wovor haben die Deutschen am meisten Angst? In der jährlichen Umfrage «Die Ängste der Deutschen» wird deutlich: Politiker schüren die Ängste der Bürger, anstatt sie aufzufangen. „Das ist ein katastrophales Urteil“ erklärt der Politikwissenschaftler Manfred Schmidt.

Auf Platz 1: Donald Trump, Platz 2 und 3 belegt die Flüchtlingskrise. Auf Platz 4 steht die Angst vor überforderten Politkern. Manfred Schmidt, Politikwissenschaftler an der Universität Heidelberger erklärt: „Das ist ein katastrophales Urteil“. Fast die Hälfte der Bürger bewerte die Arbeit von Politikern demnach mit den Schulnoten mangelhaft oder ungenügend.

Für den Politikwissenschaftler ist das Ergebnis sensationell. „So politisch war diese Umfrage noch nie“, sagt er. Von rund 2300 Bundesbürgern ab 14 Jahren antworteten mehr als zwei Drittel, dass Trumps Politik die Welt gefährlicher und ihnen Angst mache. „Die Deutschen fürchten Trumps Attacken gegen Europa. Und speziell die Angriffe auf deutsche Handelsgüter und damit verbundene Kosten.“ Dazu stelle der US-Präsident im Grunde die militärische Sicherung der Bundesrepublik durch die Nato in Frage. „Er bringt etwas ins Wanken, was absolut als stabiler Pfeiler galt“, sagt Schmidt. „Die Deutschen fühlen sich als Staatsbürger von ihm persönlich angegriffen.“

Weniger überraschend, so meldet die dpa, sind für den Forscher dagegen die großen Sorgen im Zusammenhang mit der Zuwanderungsdebatte. Um sechs Prozent stieg im Vergleich zum Vorjahr die Angst vor einer Überforderung durch Flüchtlinge – im Osten und Süden des Landes insgesamt stärker als im Westen und Norden. Mit 63 Prozent liegt diese Angst nach Trump damit auf Platz zwei – gleichauf mit der Sorge vor Spannungen bei einem weiteren Zuzug von Ausländern. Das alles spiegele die gewachsenen außen- wie innenpolitischen Probleme wieder, analysiert er. Neben Trump gebe es ja keine Pause bei den Themen Zuwanderung und Integration. Die Angst vor Terror sei hingegen um 12 Prozent gesunken. Gestiegen ist dafür die Angst vor der Europäischen Schuldenkrise. Die beiden Ängste liegen im Umfrage-Ergebnis praktisch gleichauf.

Die Studie «Die Ängste der Deutschen» wird seit 1992 von der R+V-Versicherung in Auftrag gegeben. Die Umfrage, die in diesem Jahr im Juni und Juli lief, gilt Wissenschaftlern als Seismograph der Befindlichkeiten rund um Politik, Wirtschaft, Umwelt, Familie, Gesundheit und privater Sorgen – samt Langzeit-Effekt. Forscher Schmidt analysiert die Umfrage zum 14. Mal. Er hält die Bundesbürger mit dieser Erfahrung nicht für Angsthasen, sondern als recht realistisch in ihrem Urteil. (dpa)