AstraZeneca: So kann man die Sinusvenenthrombose verhindern

Deutsche Forscher haben den Zusammenhang zwischen der AstraZeneca-Impfung und dem Risiko einer Thrombose geklärt. Die gute Nachricht: Das potenziell tödliche Blutgerinnsel lässt sich demnach auch therapieren.

Wissenschaftler aus Greifswald fanden heraus, welchen Zusammenhang es zwischen der Corona-Impfung von AstraZeneca und teilweise tödlichen Sinusvenenthrombosen geben könnte. Glücklicherweise fanden die Forscher dabei auch gleich heraus, wie man Betroffenen helfen kann.

Demnach löst der Impfstoff zusätzlich zum gewünschten Abwehrmechanismus eine Immunantwort aus, welche die Blutblättchen aktiviert. Diese kommen normalerweise zum Einsatz, wenn eine Verletzung entsteht. Sie „trocknen“ das Blut und stoppen die Blutung. In Einzelfällen verhielten sich die Blutblättchen nach der Impfung wie bei der Wundheilung und verklumpten das Blut unerwünscht. Dabei entsteht dann ein Blutgerinnsel und dieses kann wichtige Blutgefäße im Gehirn verstopfen: die sogenannte Sinusvenenthrombose.

Die Forschungsergebnisse können als wahrer Durchbruch bezeichnet werden. Denn der beschriebene Mechanismus im Blut ist durch ein Testverfahren diagnostizierbar. Darüber hinaus sind die genannten Vorgänge bekannt und behandelbar. Nach Empfehlung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (GTH) können in so einem Fall hochdosierte Immunglobuline verabreicht werden. In spezialisierten Krankenhäusern ist dies eine gängige Behandlungsmethode gegen Thrombosen.

Noch ist AstraZeneca damit nicht freigesprochen. Denn die Forschungsergebnisse wurden bisher nicht wissenschaftlich veröffentlicht und durch unabhängige Experten verifiziert. Aber zumindest kamen Forscher aus Norwegen zu ganz ähnlichen Ergebnissen. Die Skandinavier vermuten, dass Antikörper, die bei der Immunreaktion entstehen, an die Blutblättchen andocken und diese dabei aktivieren.

„Da die Ergebnisse, breit gestreut, an Kliniken übermittelt wurden, kann weiter mit AstraZeneca geimpft werden. Betroffene können direkt therapiert werden“, heißt es in einer Pressemitteilung der Universitätsmedizin Greifswald. Wichtig ist allerdings: Die Therapie kann nicht prophylaktisch mit der Impfung zusammen verabreicht werden. Stattdessen müsse man Geimpfte auf Symptome testen. Wenn das Problem festgestellt wird, könne man aber direkt mit einer Therapie beginnen.

Nach einem kurzen Impfstopp hatte das Paul-Ehrlich-Institut AstraZeneca wieder zur Verimpfung freigegeben. In der Begründung hieß es: „Die positiven Effekte einer Impfung mit dem AstraZeneca-COVID-19-Vakzin überwiegen die negativen Auswirkungen, so dass die Wiederaufnahme der Impfungen in Deutschland mit diesem Vakzin zu begrüßen ist“. Die nun hinzugekommenen Erkenntnisse werden umgehend durch das Paul-Ehrlich-Institut überprüft und können baldmöglichst zur Anwendung kommen.

Bisher zählen vor allem Frauen unter 55 Jahren zur Risikogruppe für die Hirnvenenthrombosen als Nebenwirkung der Impfung.