Auf ukrainisches Gesuch: Norwegen beschlagnahmt Kreuzfahrtschiff

Nach dem missglückten Anschlag auf ein ukrainisches Flugzeug am Flugplatz in Leipzig/Halle verhärten sich die Maßnahmen gegen Russland, besonders nachdem die deutsche Regierung die Schuld eindeutig auf Russland und den Kreml legt. Während die EU und Deutschland neue Embargos auf russische Betriebe und Staatsbürger verkündet haben, geht Norwegen jetzt noch einen Schritt weiter.

Ein norwegisches Gericht hat am 31. August den Polizeibehörden in der Stadt Spitzbergen den Auftrag gegeben, ein russisches Kreuzfahrtschiff in Beschlag zu nehmen. Das Gesuch an das Gericht kam aus der Ukraine vom staatlichen Energiekonzern Naftogaz. Die Beschlagnahmung der „Professor Moltschanow“ ist ein weiterer harter Schlag für Putin und den Kreml, die jetzt um weitere weitere internationale Pfändungen von russischem Eigentum und Bankkonten fürchten müssen. 

Beschlagnahmung nach Urteil vom Internationalen Gerichtshof  

Das norwegische Amtsgericht in Nord-Troms und Senja folgte mit seiner Entscheidung einem Gerichtsurteil des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag, der im Jahre 2023 dem ukrainischen Staatsbetrieb eine Entschädigung von 4,22 Milliarden US-Dollar, etwa 3,6 Milliarden Euro, zugesprochen hatte. Das Urteil kam nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim, in der Russland die Anlagen von Naftogaz illegal übernahm. Moskau hatte sich dem internationalen Gerichtsurteil widersetzt und die Zahlung verweigert. Dadurch seien Pfändungen gerechtfertigt. Ein Sprecher des ukrainischen Energiekonzerns bezeichnete die Beschlagnahmung des Kreuzschiffes, das zum Eigentum des russischen Staates gehört, als einen „weiteren wichtigen Schritt zur Wiederherstellung der Gerechtigkeit“. 

Ehemaliges Forschungsschiff der Sowjetunion 

Die Beschlagnahmung des Kreuzfahrtschiffs wurde vor Barentsburg vorgenommen. Die arktische Stadt befindet sich auf norwegischem Gebiet, aber Russland hat aufgrund eines Vertrags aus dem Jahre 1920 das Recht, dort Bergbau zu betreiben. Die „Professor Moltschanow “ wurde im Jahre 1982 in Finnland im Auftrag der Sowjetunion gebaut. Das Schiff hat Eisbrecherfähigkeiten und wurde jahrzehntelang als Forschungsschiff eingesetzt. Seit 2012 wird das umgebaute Schiff für Kreuzfahrten in arktischen Gewässern genutzt, die vom Heimathafen im nordrussischen Murmansk aus starten. Bisher ist nicht bekannt, ob sich Kreuzfahrtpassagiere zum Zeitpunkt der Beschlagnahmung auf dem Schiff befanden. 

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Alexander Grünstedt