Revolution liegt in der Luft: Russische Gouverneure treten reihenweise zurück

Eine eher ungewöhnliche Welle an Rücktritten von regionalen Gouverneuren lässt derzeit in Russland aufhorchen. Fünf Gebietschefs haben allein am gestrigen Tage binnen kürzester Zeit angekündigt, dass sie in ihren jeweiligen Regionen, verteilt über das gesamte Land, bei den nächsten Wahlen nicht mehr zur Verfügung stehen werden oder gleich zurücktreten wollen.

Begonnen hatte alles mit Sergej Schwatschkin, der im sibirischen Tomsk seinen Rücktritt verkündete. Kurze Zeit später kam eine vergleichbare Aussage vom Igor Wassiljew. Seine Regierungsbezirk Kirow liegt etwa 1.000 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Moskau. Und danach ging es dann Schlag auf Schlag und es kündigten auch die Chefs von Saratow und der autonomen Republik El Mari ihren Rückzug von ihren Posten an. Der Amtsinhaber von Rjasan, Nikolai Ljubimow verzichtet hingegen auf eine zweite Amtszeit.

Die Begründungen für ihre Schritte klingen für russische Politiker eher fadenscheinig. Einige sagten, sie seien zu alt für die Ausübung einer solch verantwortungsvollen Position, andere sind hingegen schon zu lange im Amt. Allerdings kommen in diesem Zusammenhang diverse Spekulationen auf. Vielfach wird vermutet, sie wollen den ruinösen Krieg in der Ukraine und den damit verbundenen heftigen wirtschaftlichen Folgen im Zuge der westlichen Sanktionen nicht mehr unterstützen.

Bereits kurz nach dem Ausbruch der sogenannten Spezialoperation hatten sich viele Unternehmen aus Russland zurückgezogen, da der Westen massive Einschränkungen erlassen hatte. Viele Menschen stehen inzwischen ohne Beschäftigung da.

Der Politologe Abbas Galljamow sieht in der Welle an Rücktritten erste Indizien dafür, dass die Politiker das Schiff sinken sehen. Daher gehen sie lieber von Bord, bevor sie selbst in den Sog gezogen werden. Möglich ist aber auch eine mangelnde Loyalität gegenüber dem Kreml, sodass Moskau die Gouverneure zu einem Rücktritt gedrängt hat.

Viele Menschen haben nun Angst davor, dass es in den verschiedenen Regionen des riesigen Landes zu einer Teil-Mobilmachung durch den russischen Präsidenten Wladimir Putin kommt. So soll den stockenden Angriffen in der Ukraine wieder neue Impulse verliehen werden. Der dadurch aufkommende Unmut innerhalb der Zivilbevölkerung könnte die Amtsinhaber dazu bewogen haben, nicht die Verantwortung für die Situation tragen zu wollen. Doch sind dies alles nur vage Annahmen und Vermutungen und es muss sich ab Ende zeigen, was davon wahr wird und was nicht.

Russland selbst ist in weit über 80 verschiedene Föderationssubjekte unterteilt, die von Gouverneuren geführt werden.

2 Kommentare

  1. Putins Verluste im Krieg gegen die Ukraine sind weitaus höher, als ihm das recht sein könnte. Inzwischen kehren getötete russische Soldaten in die Heimat zurück. Wieviele es sind, weiss man nicht genau. Es gibt aber die betroffenen Familien und da bleibt es eben nicht aus , dass sich solche Meldungen auch in der Bevölkerung verbreiten.
    Putin ist es eben nicht gelungen die Ukraine in wenigen Tagen mit seinen Truppen zu überrollen und das Land einzunehmen. Dieser Krieg fordert Tag für Tag vielen Menschen das Leben, eben auch das der russischen Soldaten.
    Putin ist es sicher egal, wieviele Menschen bei diesem Irrsinn ihr Leben verlieren . Doch je länger dieser Krieg dauert, umso größer wird der Druck auf Putin. Kritisieren darf Putin niemand, wenn er sein Leben nicht aufs Spiel setzen will. Da ziehen einige Politiker den Rücktritt vor, was aus meiner Sicht eine unausgesprochene Kritik an Putin ist.
    Der Krieg wird aufgrund der Waffenlieferungen aus dem Westen noch einige Zeit dauern. Frage ist eben, ob Putins Ära in absehbarer Zeit endet, wie auch immer. Je größer die Verluste für Putin werden, könnte das auch das Ende für Putin bedeuten. Wer sein Nachfolger werden könnte , darüber gibt es bereits Vermutungen.

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