Autobahn-Falle: Motorradfahrer fällt über Unfall-Helferin her

Sie wollte einem Motorradfahrer helfen, der scheinbar in Not war. Doch als sie ausstieg, um nach dem „Verletzten“ zu sehen, fiel dieser über sie her.

Köln: Die Polizei sucht aktuell nach Zeugen einer versuchten Vergewaltigung an Aschermittwoch. Gleichzeitig steckt darin eine Warnung. Denn der mutmaßliche Täter ist flüchtig. Gemäß Polizeimeldung hatte sich am 6. März ein Mann gegen 5:00 Uhr morgens auf der Bensberger Straße in Köln-Eil vor der Auffahrt auf die A3 in Fahrtrichtung Frankfurt neben sein Motorrad gelegt. Eine 31-jährige Frau hatte den vermeintlichen Notfall gesehen und hielt an, um dem Motorradfahrer zu helfen. Nachdem die Frau ausgestiegen war, soll er sie jedoch zu Boden gerissen und auf sie eingeprügelt haben. Daraufhin habe er sie ihres Bargeldes beraubt und versucht, ihr die Kleidung auszuziehen. Erst als ein weiterer Autofahrer hinzukam, gelang der Frau die Flucht in ihren Wagen. Sie brachte den Vorfall erst Tage später zur Anzeige.

Die Polizei sucht nach Zeugen, die den vermeintlichen Unfall an Aschermittwoch auf der Bensberger Straße beobachtet haben, oder Angaben zu dem Motorradfahrer machen können. Außerdem wird der erwähnte zweite Autofahrer gesucht. Der mutmaßliche Täter wird als deutsch-aussehend, etwa 1,80 bis 1,85 Meter groß, schlank und muskulös beschrieben. Er soll zwischen 30 und 45 Jahre alt sein und dunkelblonde bis hellbraune Haare haben. Zudem sei ein Bartwuchs um das Kinn herum und an den Wangen erkennbar gewesen. Hinweise nimmt die Polizei unter 0221/2290 oder per E-Mail an poststelle.koeln@polizei.nrw.de entgegen.

Warum wurde der Fall jetzt erst publik?
Polizei und Medien berichten erst jetzt über den Vorfall, weil die Frau bis dahin geschwiegen hatte. Laut Psychologin Bettina Steinbach, die von der Aargauer Zeitung interviewt wurde, sei eine Verzögerung zwischen Vergewaltigung und Anzeige nicht ungewöhnlich. „Die wenigsten Opfer sexueller Übergriffe öffnen sich gleich danach“, sagt die Therapeutin, die in einer Frauenberatungsstelle tätig ist. „Sie sind geschockt und versuchen, das Erlebnis ungeschehen zu machen, indem sie tun, als sei nichts passiert.“ Deshalb würden viele Delikte nie angezeigt. „Vergewaltigung ist in der Praxis fast straffrei“, behauptet Steinbach. Dass sexuelle Gewalt nicht der Polizei gemeldet wird, sei keine Ausnahme, sondern der Normalfall schreibt die Zeitung und beruft sich auf offizielle Statistiken wonach zwei von drei Vergewaltigungsversuchen gar nicht zur Anzeige gebracht würden.