Bahn schraubt Gewinn-Erwartungen zurück und wirbt mit Probe BahnCard

Während die Bahn immer wieder mit Negativ-Schlagzeilen auf sich aufmerksam macht, wirbt das Unternehmen jetzt mit einer Probe BahnCard für den kleinen Geldbeutel.

Mit der Probe BahnCard erhofft sich die Bahn neue und wahrscheinlich geduldige Kunden. Diese Bahncard gibt es für 3 Monate und bereits ab 19,90 Euro. Und aufgrund des niedrigen Preises rechnet sich die Anschaffung oftmals schon bei einer einzigen Bahnfahrt: Zum Beispiel bringt diese Bahncard bei der Direktverbindung von Frankfurt nach Düsseldorf im ICE bereits eine Ersparnis von 21,50 Euro bei nur einer Fahrt (regulärer Preis 86 €, mit Probe Bahncard 25 kostet es nur noch 64,50 €).

Die Bahn kämpft um jede Minute und damit auch um jeden Cent. Deswegen kündigte das Unternehmen nun an, die Gewinnerwartungen herabzusenken. Den anfänglich prognostizierten Gewinn von 2,2 Milliarden Euro reduzierte der Konzern um 100 Millionen Euro – was dem bisherigen Verlust aufgrund von Verspätungen entspricht. Demnach sollen 20 Prozent aller Züge im Fernverkehr eine Verspätung von mehr als sechs Minuten eingefahren haben. „Wir kämpfen weiter um jede Minute.“ zitiert der SPIEGEL Bahnchef Richard Lutz.

Grund für die Verspätungen sollen unter anderem die rund 800 Baustellen auf dem bundesweiten Streckennetz sein. Eine Modernisierung des Netzes soll in Zukunft Besserung bringen. Weiter setzt Lutz auf das Projekt „Digitale Schiene Deutschland“. Hinter dem feschen Namen verbirgt sich die Idee, Züge weitgehend automatisch über die Gleise zu steuern. Die sei „ein großer technologischer Fortschritt für den gesamten Bahnsektor“, verspricht Lutz. Bahnvorstand Ronald Pofalla verspricht sich davon, mehr Züge in kürzeren Abständen fahren zu lassen: „Wir gehen von bis zu 20 Prozent mehr Zügen aus“. Zwischen 2020 und 2025 sollen die am stärksten belasteten Knotenpunkte und Bahntrassen, die engste Stelle zwischen Köln und Dortmund, aufgerüstet werden. Hamburg ist als Testgebiet für den digitalen Betrieb vorgesehen. Ob der digitale Betrieb auch den Güterverkehr retten soll? Die Güterverkehrsleistung ist das zweite große Sorgenkind des Konzerns. Hier fährt die Bahn Miese um fast sieben Prozent. Streiks in Frankreich und Sturm Friederike sollen hauptverantwortlich sein, aber auch der Konkurrenzdruck. Da LKW-Transporte meist die günstigere Alternative sind, bleibt für die Bahn nur der Fokus auf sehr lange Transport-Geschäfte.

Einen Grund zur Freude gibt es für die Bahn dennoch: Die Reisefreudigkeit der Kunden nimmt zu und das nicht nur wegen der Ferienmonate. Im Fernverkehr mit ICE und IC zählte der Konzern 70,9 Millionen Reisende, und damit eine Zunahme von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Die Menschen sind mobil wie nie“, stellte Bahnchef Richard Lutz fest „hinzu kommt, dass die Kundenzufriedenheit weiter gestiegen ist“. Seiner Meinung nach sei die Bahn für die Menschen „der Schlüssel für eine erfolgreiche Klima- und Verkehrswende“. Die internationalen Gesellschaften DB Arriva und DB Schenker verbuchten ebenfalls steigende Umsatzzahlen.