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Bamf-Mitarbeiter packen aus und rechnen mit Chefin Cordt ab

Die Schlinge im Bamf-Skandal zieht sich enger um Horst Seehofer. Bamf-Chefin Jutta Cordt und ihr Führungsstab verbreiten „Klima der Angst“ und keine Fürsorge unter ihren Mitarbeitern. Es herrschen „Stasi-Methoden“ in der Behörde, geben die Mitarbeiter an.

Hinter vorgehaltener Hand wird in den Fluren des Bundesamtes bereits darüber gesprochen, dass Horst Seehofer das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) komplett umkrempeln oder gar zerschlagen könnte. In der CSU-Sitzung am Montagabend ließ Seehofer verlauten, dass mit der bestehenden Führung des Amtes keine Deeskalation der Lage möglich ist. Kurzum, der Stuhl der Bamf-Chefin Jutta Cordt wackelt gehörig.

Einige langjährige Bamf-Mitarbeiter sprechen von einem „Klima der Angst“ in der Behörde. Auch werden „Stasi-Methoden“ erwähnt, welche dazu dienen „undichte Stellen“ im Bamf zu suchen. Ein Mitarbeiter erklärt: „Die Hausleitung geht inquisitorisch gegen uns vor. Sie laden nach und nach Mitarbeiter zum Gespräch und wollen so die Schlinge enger ziehen. Es wird intern ganz massiver Druck ausgeübt.“ Manche nennen die Behörde eine „mafiöse Vereinigung“.

Dabei geht die Hausleitung bei den Mitarbeitergesprächen mit unfassbaren Methoden vor. Mehrere Mitarbeiter bestätigten, dass zum Beispiel ein Mitglied der Bamf-Führung eine hochrangige Mitarbeiterin angeschrien habe – weil sie Unregelmäßigkeiten im Bremer Asylverfahren gefunden hatte und diese an die ehemalige Leiterin Josefa Schmid weitergegeben hatte. „Was fällt Ihnen ein?“, so die Leitung, „wir haben Josefa Schmid bestimmt nicht zum Aufklären nach Bremen geschickt.“

Schockierend – denn die gesamte Behörde wusste schon seit geraumer Zeit, dass etwas in Bremen falschlief.

Die Hausleitung reagierte mit akribischen Personalgesprächen, welche in Einschüchterung und Drohungen endete. Die Verhöre führten in manchen Fällen zu Burn-outs und Krankheitsfällen. Somit wurde versucht die Sache unter den Teppich zu kehren.

Doch die Stasi-Methoden scheinen genau das Gegenteil zu bewirken. Immer mehr Mitarbeiter der Behörde packen aus und klagen die Führung des Bamf an. „Weil alle so unzufrieden sind. Die Leitung überdenkt ihr Handeln gar nicht.“ Einigen anderen Kollegen sei sogar angedroht worden, sie sollen nicht mit der Presse sprechen, weil man ihr Email-Postfach überwache“, so ein Informant.

Während also die Mitarbeiter Stück für Stück die Missstände offen darlegen, reagiert die Behörde defensiv und weist alle Vorwürfe zurück. Sie erklärt die Probleme mit „großen Veränderungen in der Behörde“. Ein Statement des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge besagt: „Es ist uns wichtig, dass Menschen, die mit uns in Kontakt kommen oder bei uns arbeiten, sich kompetent und fair behandelt wissen. Unsere Führungskräfte wollen Vorbild sein und ihre Haltung, Leistungsbereitschaft und Identifikation mit dem BAMF mit anderen teilen. Vorgesetzte haben die Verantwortung, gute Rahmenbedingungen für eine eigenverantwortliche Erledigung der Aufgaben zu schaffen und Verbesserungsvorschläge konstruktiv aufzunehmen. Fehler und Kritik werden als Chance zur Weiterentwicklung angenommen. Vorgesetzte und Mitarbeitende stehen in einem lebendigen, vertrauensvollen Dialog. Feedback wird aktiv eingefordert.“