Brücken-Katastrophe: Die Zahl der Todesopfer steigt

Unter den Trümmern der zerborstenen Brücke von Genua liegen noch immer zahllose Menschen. Unentwegt durchkämmen die Rettungstrupps mit Spürhunden das Trümmerfeld. Inzwischen wurden 42 Todesopfer geborgen.

Am Dienstag ist ein mehr als 100 Meter lange Teilstück der vierspurigen Autobahnbrücke in Genua in die Tiefe gestürzt. Mit ihm stürzten Autos herunter. Darunter lagen ein Fluss, sowie Schienen und die Gebäude eines Industriegebiets – darin auch Menschen. Inzwischen konnten 15 Menschen lebend geborgen werden aber es wurden auch bereits 42 Tote gefunden.

Das Areal sieht aus, wie nach einem Erdbeben. Im Focus-Interview erklärte der Rettungsinspektor Luciano Ronacalli jedoch, dass es in diesem Fall einen entscheidenden Hoffnungsschimmer gibt. Während beim Zusammensturz von Gebäuden infolge von Erdbeben die Opfer meist unter kleinteiligen Trümmern zerquetscht oder erstickt werden, ist dieses Trümmerfeld von großen Betonstücken besetzt: „die Betonteile sind in sehr großen Stücken abgebrochen. Und wenn sie sich verkeilen, besteht eine größere Wahrscheinlichkeit als bei normalen Gebäuden, dass größere Hohlräume entstehen, in denen sich theoretisch Überlebende befinden könnten“ Das heißt für die Rettungskräfte, dass sie im Wettlauf mit der Zeit kämpfen, um Verletzte rechtzeitig zu bergen. „Unter Umständen besteht für die Verschütteten auch noch deutlich länger als 72 Stunden eine gute Überlebensmöglichkeit – falls sie nicht weiter ernsthaft verletzt sind.“ erklärt Ronacalli.

Das Technische Hilfswerk bestätigt die Hoffnung, Überlebende in den Hohlräumen der riesigen Trümmer zu finden. Albrecht Broemme, Präsdient der Bundesanstalt des THW, erklärt im BILD-Interview, dass die aktuelle Lage jedoch auch Gefahren in sich birgt. Trümmer könnten verrutschen oder im schlimmsten Fall könnte es passieren, dass weitere Brückenteile herunterstürzen. Um die Retter rechtzeitig warnen und notfalls abziehen zu können, überwachen technische Geräte mittels Lasern ob sich weitere Gebäudeerschütterungen zutragen.

Die Rettungskräfte arbeiten unter harten körperlichen Bedingungen und müssen immer wieder ertragen, Leichen anstatt Lebende zu finden. Die Hoffnung auf Hohlräume mit Überlebenden treibt die Einsatzkräfte jedoch an, nicht aufzugeben. Erst wenn davon ausgegangen werden kann, dass keine Überlebenden mehr zu erwarten sind, können die größeren Trümmerteile mit Hilfe von Autokränen abtransportiert werden. Bis dahin besteht noch ein Risiko: Die „Morandi-Brücke“ führte über den Fluss Polsevero. Es besteht die Gefahr, dass sich Wasser im Flussbett anstaut, weil die Brückenteile das Flussbett verstopfen.