Chemnitz: Eskalation verhindert – Verletzte gab es dennoch

Am Samstag standen mehr als 11.000 Menschen bei drei Demonstrationen in Chemnitz auf der Straße. Die Polizei hielt das Geschehen mit 2000 Polizisten unter Kontrolle. Womöglich wäre die Situation eskaliert, wenn die Beamten nicht so zahlreich und gut vorbereitet im Einsatz gewesen wären. Am Ende gab es 18 Verletzte und 37 Strafanzeigen.

Am Sonntagmittag aktualisierte die Chemnitzer Polizei ihre Bilanz des gestrigen Tages. Nach neusten Erkenntnissen sind 18 Menschen verletzt worden, darunter drei Polizisten. Außerdem meldet die Polizei 37 Strafanzeigen, die meisten davon wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Vergehen gegen das Versammlungsgesetz.

Mit Pferden, Wasserwerfern, Räumpanzern und 2000 Mann überwachte die Polizei die Demonstrationen von Rechtspopulisten, Pegida und AfD sowie den Vereinigungen der Aktion „Herz gegen Hetze“. Gedacht werden sollte auf der einen Seite dem 35-jährigen Opfer einer Messerattacke – für viele ging es um Unzufriedenheit mit der Politik. Auf der anderen Seite stand der Wunsch nach weniger rechtspopulistischer Hetze sowie die Ablehnung von Gewalt.

Trotz der weitestgehend kontrollierten Situation kam es zu einigen „hässlichen Szenen” wie es die BILD-Zeitung beschreibt: Am Rande der Demonstrationszüge griffen Einsatzkräfte der Polizei immer wieder ein, um das Zusammenstoßen gewaltbereiter Gruppen zu verhindern.
Vor allem Reporter sahen sich immer wieder Attacken unter dem Motto „Lügenpresse“ gegenüber: Ein MDR-Team berichtete: „Plötzlich stand ein Mann hinter uns, sehr kräftig, hat uns von hinten am Schlafittchen gepackt und rausgezogen, die Kamera aus der Hand geschlagen und einen Kollegen die Treppe runtergestoßen“, schildert André Berthold von MDR aktuell in dem Video die Situation. Der Kollege sei stark an der Hand verletzt, habe eine Beule und die Kamera sei kaputt.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete und seine Besuchergruppe sei ebenfalls angegriffen worden. Männer kamen auf die Gruppe zu und hatten gefragt, welche Flaggen sie bei sich hatte. Als die Gruppe sich zur SPD bekannte, wurden sie angegriffen. „Meine Gruppe aus Marburg wurde gerade auf dem Weg zum Bus von Nazis überfallen“, schrieb der hessische SPD-Politiker auf Twitter. Alle SPD-Fahnen seien „zerstört“ worden, einige seiner Begleiter seien „sogar körperlich angegriffen“ worden.

Außerhalb der Demonstrationen wurde ein Afghane von vier vermummten Menschen angegriffen und geschlagen. Er erlitt Prellungen und eine Schnittwunde im Gesicht. „Ich habe sie nicht kommen sehen, plötzlich lag ich auf dem Boden und hatte furchtbare Angst,“ sagte der 20-jährige im Interview mit der FUNKE Medien Gruppe.

*Foto: Cem Özdemir (Grüne) zeigt sich auf Instagram mit dem Statement „Chemnitz ist weder grau noch braun“