Corona in Deutschland: Seit einer Woche täglich weniger COVID-19-Intensivpatienten

Die Infektionszahlen sind weiterhin hoch, die Sterberate ist immer noch deprimierend. Doch eine unfälschbare Zahl macht Hoffnung: Seit einer Woche sinkt die Zahl der Corona-Patienten auf deutschen Intensivstationen.

Am 3. Januar hat die Kurve der gemeldeten Intensivfälle mit COVID-19 einen Höhepunkt erreicht, der seither steil bergab fällt. Von Entspannung kann in vielen Krankenhäusern noch lange keine Rede sein. Hoffnung ist jedoch erlaubt. Am Sonntag vor einer Woche befanden sich 5.745 Coronapatienen auf deutschen Intensivstationen, seither wurden jeden Tag weniger gemeldet. Heute (am 10. Januar) waren es „nur“ noch 5.300. Dieser Rückgang könnte ein Anzeichen sein, dass der Lockdown inzwischen Wirkung zeigt. Er könnte bedeuten, dass die zweite Welle nun bricht und die Infektionszahlen tatsächlich zurückgehen.

Experten sind jedoch bislang zurückhaltend mit einer Prognose. Das hat mehrere Gründe: Zum Einen können die Experten die Zahl der tatsächlich Neu-Infizierten noch immer nicht einschätzen. Hier wartet man noch darauf, bis der Feiertagseffekt nachgelassen hat. Die Zahl der belegten Intensivbetten ist zwar unabhängig von den Feiertagen, weil Notfallpatienten auch an Weihnachten versorgt werden, aber sie ist von anderen Faktoren abhängig, die nicht unbedingt mit dem Infektionsdichte parallel verlaufen.

Zunächst einmal wird die Belegung der Intensivbetten von der durchschnittlichen Behandlungszeit beeinflusst. Wenn Patienten kürzere Zeit auf der Intensivstation verbringen, kann das heißen, dass sich ihr Zustand schneller verbessert, es kann aber auch heißen, dass sie schneller sterben. Außerdem kann eine Veränderung der Intensivbelegung bedeuten, dass die Infektionsherde sich auf eine andere Altersgruppe verlegt hat. Es könnte also sein, dass inzwischen zwar weniger ältere Menschen infiziert sind, dass Corona aber immer noch oder sogar stärker unter jüngeren Menschen verbreitet wird.

Und noch ein Effekt muss berücksichtigt werden: Möglicherweise begeben sich viele Menschen aus Angst vor eine Infektion nicht mehr in Krankenhäuser. Auch dann würde die Zahl der belegten Intensivbetten sinken, ohne dass eine wirkliche Verbesserung der Lage stattgefunden hat. Ob eine Trendwende stattfindet, lässt sich daher erst in ein bis zwei Wochen sagen. Dann können die Infektionszahlen unabhängig von den Feiertagen bewertet werden.

Die Zahl der belegten intensivbetten wird seit April deutschlandweit durch die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) erfasst. Jeden Tag um 12:00 Uhr melden die Krankenhäuser wie viele Intensivbetten belegt sind, wie viele davon für Corona-Patienten gebraucht werden und wie viele Intensiveinheiten – unter Berücksichtigung der tatsächlich vorhandenen Personalstärke – zur Verfügung stehen.