Das isolierteste Volk der Erde ermordet Tourist und darf das

Am Dienstag wurde ein US-Amerikaner auf einer Insel von Ureinwohnern hingerichtet. Der Mord wird jedoch nicht geahndet. Der Stamm gilt als letztes Urzeit-Volk und darf sich schützen.

Ein US-Amerikaner hat vergangen Dienstag verbotenerweise die Insel der Sentinelesen betreten, um diese vom christlichen Glauben zu bekehren. Um dort hinzugelangen, bestach der 27-jährige regionale Fischer, die ihn vor die Küste fuhren. Mit einem Kanu legte der Mann den Rest des Weges zurück. Als er die Insel betrat, wurde er von den Inselbewohnern regelrecht hingerichtet. News64 berichtete. Die Seeleute hatten das Geschehen aus sicherer Entfernung beobachtet. Zunächst schien unklar, wie die Rechtslage in dem Fall aussieht.

Fischer wurden verhaftet
Medienberichten zufolge wurden die Anklagen gegen die Täter aus dem Stamm fallengelassen. 1996 hatte die indische Regierung ein Kontaktverbot für die Insel verabschiedet. Jegliche Annäherung an die Insel ist bis zu einem Umkreis von 5 km untersagt und die Sentinelesen haben das Recht, ihren von der Außenwelt abgeschnittenen Lebensstil zu bewahren und zu verteidigen – auch durch Waffengewalt. Die Fischer hingegen wurden verhaftet, weil sie den Amerikaner dabei unterstützt hatten, das Kontaktverbot zu umgehen.

Das isolierteste Volk der Welt
Die Sentinelesen, die auf einer Insel im indischen Ozean leben, gelten als jahrtausendaltes Urvolk. Seit Jahrzehnten wehren sie sich erfolgreich gegen Kontaktversuche von außen. Beobachtungen sind schwer. Selbst Helikopter, die sich der Insel nähern, um von oben einen Blick auf das Volk zu erhaschen, werden sofort mit Pfeilen verjagt. Früher versuchte die indische Regierung, die Inselbewohner zu „integrieren“ und zu Bauern zu machen. Doch der Stamm widersetzte sicher erfolgreich und wurde schließlich geschützt. Die Sentinelesen gelten als das isolierteste Volk der Erde.

Niemand spricht ihre Sprache
Der Ethnologe Vishvajit Pandya hat es ein einziges Mal geschafft, Kontakt zu dem Stamm aufzunehmen. 2010 berichtete er in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen über seine Beobachtungen. Er verteidigte das scheinbar aggressive Verhalten des Stammes: Sich vor Fremden schützen zu wollen, sei ein menschlicher Instinkt. An sich seien die Sentinelesen nicht darauf aus, Menschen zu töten, sie würden auch oft Warnschüsse abgeben, so der Forscher. Ob sie eine Religion besitzen, wisse man nicht, Mengenverhältnisse würden sie anders beschreiben als wir und sie schliefen in kurzlebigen Unterständen anstatt in Häusern. Viel mehr ist nicht über das Volk bekannt, erklärte Pandya, schließlich spreche auch niemand ihre Sprache.

*Korrektur vom 25.11.18: Der Bericht hatte sich zunächst auf Medienberichte gestützt, die behaupteten, die Leiche sei geborgen worden und dies auch so wiedergegeben. Es stellte sich heraus, dass dies eine Fehlinformation war. Die Leiche des Amerikaners wurde noch nicht geborgen.