Die Türkei ist in Not, Erdogan wütet gegen die USA

Seit Freitag ist die türkische Währung im freien Fall. Der Staatsbankrott wird immer wahrscheinlicher. Präsident Erdogan wütet gegen die USA.

Seit Monaten verliert die Lira an Wert. Inzwischen ist die Lage katastrophal. Der türkische Präsident sieht keinen Grund, etwas an seiner Politik zu ändern. Er sieht die Schuld bei den USA. „Was sie mit Provokationen, mit Putschversuchen nicht erreichen konnten, versuchen sie jetzt mithilfe von Geld zu schaffen. Im Klartext nennt man das Wirtschaftskrieg“, sagte Erdogan. „Wieder sehen wir uns einer politischen und heimtückischen Verschwörung gegenüber, aber, so Gott will, werden wir auch diese überwinden.“ Derr türkische Präsident bezieht sich damit auf die US-Strafzölle, die seit Montag in Kraft getreten sind.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) schlug inzwischen Interventionen vor. Erdogan lehnte jedoch ab: „Wir wissen sehr gut, dass die, die uns ein Geschäft mit dem IWF vorschlagen, uns eigentlich vorschlagen, die politische Unabhängigkeit unsere Landes aufzugeben“

Sevim Dagdelen (42, Linke), Vorsitzende des deutsch-türkischen Parlamentariergruppe hält Erdogans Politik für fatal: „Der jetzige Kursverfall ist die Quittung für Erdogans verheerende Wirtschaftspolitik. Erdogans Aufschwung war auf Pump finanziert. Zugleich setzte er auf einen Ausverkauf des Tafelsilbers. Der Streit mit den USA beschleunigt den Niedergang lediglich, für den Erdogan jetzt überall Verschwörungen ausmacht, um von seiner Politik abzulenken.“

Der türkische Finanzminister Berat Albayrak sieht ebenfalls die Schuld bei den USA. Allerdings hat er inzwischen auch politisch reagiert. Albayrak kündigte einen „Aktionsplan“ an, der von Montag an gelten sollte. In der Zeitung „Hürriyet“ erklärte er, der Aktionsplan richte sich an kleine und mittlere Firmen, die von Währungsschwankungen am stärksten betroffen seien. Außerdem ließ er über die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu mitteilen, dass Einlagen nicht beschlagnahmt und Devisen auf Bankkonten nicht in Lira umgewandelt würden. Experten sehen in den Ankündigungen des Finanzministers einen guten Ansatz. Allerdings kämen diese viel zu spät. In der Vergangenheit hatte die Erdogan-Politik Investoren immer mehr verunsichert und somit den Währungsverfall beschleunigt.

Am Wochenende verloren Papiere von Anbietern mit Türkei-Geschäften deutlich an Wert. Sogar Investitionen in der Tourismus-Branche entwickeln sich rückläufig. Die schwache Währung mache Urlaub in der Türkei zwar billig und damit zum lukrativen Geschäft, doch die Angst vor einem wirtschaftlichen Total-Crash hemmt die Investitionsfreude.