Neues Chat-Programm bedroht massiv die Messenger-Technologie

Kaum jemand nutzt noch die gute alte SMS, aber nicht jeder Smartphone-Nutzer hat WhatsApp oder iMessage. Ein neuer Chat namens RCS soll auf allen Handys funktionieren und somit für alle eine Gewinn sein. Was steckt dahinter.

1992 begann ein neues Kapitel der zwischenmenschlichen Kommunikation. “Merry Christmas” war die erste SMS der Welt. Seit diesem Zeitpunkt haben sich die Ansprüche enorm erweitert. Messenger-Dienste für Mobile Endgeräte haben der guten alten SMS längst ein Ende bereitet. Aber es gibt auch Nachteile an der neuen Chat-Technik.
Früher waren die SMS unabhängig vom Handymodell und dem verwendeten Programm, heute müssen beide Seiten dieselbe App benutzen. Und hier soll der Nachfolger der SMS, RCS (Rich Communication Service) genannt, kurz vor dem Durchbruch stehen.

Ganz neu ist die Technik zugegebenermaßen nicht. Aber jetzt scheint ihre Zeit gekommen zu sein. Erstmals wurde RCS im Jahre 2012 eingeführt. Es handelt sich hierbei um eine vollwertiges Chatprogramm. Lange Nachrichten, große Gruppen-Chats, Videoanrufe und der Versand von Photos stellen für das System überhaupt kein Problem dar. Wie auch in den bekannten Messengern wird auch hier die Nachricht über die Zustellung angezeigt und ob ein Gesprächspartner verfügbar ist. Und Unternehmen können per RCS-Chat noch direkter mit Ihren Kunden kommunizieren.

Für die Mobilfunkanbieter eröffnet sich damit die Möglichkeit, endlich in das lukrative Messaging einsteigen zu können. WhatsApp & Co laufen über mobile Datenverbindungen, RCS-Nachrichten werden wie früher die SMS direkt vom jeweiligen Mobilfunkanbieter zur Verfügung gestellt. Vorangetrieben hat diese Entwicklung der Branchenverband GSMA, dem weltweit mehr als 800 Anbieter zugehören. Das ist vermutlich auch der bisheriger Grund, warum es diesen Service noch nicht flächendeckend gibt. Zu viele Interessen stehen sich einander gegenüber.

Als erster Anbieter hat nun das US-Mobilfunkunternehmen Verizon damit begonnen, die neue Chat-Technik einzuführen. Dies berichtet der Tech-Blog “The Verge”. Am Anfang werden aber nur die Modelle Pixel 3 und Pixel XL mit der RCS ausgestattet. Auch hierzulande ist RCS noch eine Randerscheinung, hat aber das Problem, dass es unterschiedliche Bezeichnungen aufweist. Bei Vodafone nennt sich die App call+ & message+, die Deutsche Telekom hat sich für message+ entschieden. message+call oder joyn sind gebräuchliche Namen in Deutschland.

Die Hoffnung der Fans liegt hier auf Google. Der Branchenriese drängt seit geraumer Zeit auf die Einführung von RCS als Alternative zu den auf den Android-Geräten laufenden iMessage System. Durch die Einstellung des Google eigenen Instant-Messaging-Dienstes Allo werden die Bestrebungen wohl weiter verstärkt.