Drosten: „Aktuelle Daten erhärten den Verdacht“

„Das sieht leider nicht gut aus“, schrieb der deutsche Corona-Experte Christian Drosten am Montagabend über die Corona-Mutation in Großbritannien. Nun präzisierte er diese Aussage noch einmal: „Aktuelle Daten erhärten den Verdacht, dass die in Großbritannien im September erstmals festgestellte Virusvariante stärker übertragbar ist als andere gleichzeitig in der englischen Bevölkerung vorkommende Varianten“.

Da „habe ich ja was losgetreten“ entschuldigte Christian Drosten sich Dienstagabend via Twitter. Am Abend zuvor hatte der Corona-Experte über die britische Corona-Mutation geschrieben „Das sieht leider nicht gut aus“ und hatte damit viele Menschen beunruhigt. Nun präzisierte der Virologe seine Aussage noch einmal: „Mit der Formulierung ‚Das sieht nicht gut aus‘ habe ich ja was losgetreten… Um Spekulationen ein Ende zu bereiten: dies bezog sich allein auf den jetzt deutlicheren Beleg der verstärkten Verbreitung der Mutante. Sonst keine Änderung meiner Einschätzung.“

Seine Einschätzung formulierte der Direktor des Instituts für Virologie der Charité unter anderem gegenüber „bild.de“. Er sehe an den Daten, dass die neue Virus-Mutation in Großbritannien sehr wahrscheinlich ansteckender sei, als die bisher Bekannte. „Daraus lassen sich allerdings keinerlei Schlüsse auf andere Effekte, allen voran die Krankheitsschwere und Auswirkungen auf die Wirksamkeit von Impfstoffen ziehen“, erklärte Drosten.

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk hatte Drosten deutlich gemacht: „Ich glaube nicht, dass wir da bald ein größeres Problem kriegen“. Er halte es zwar für wahrscheinlich, dass die neue Virusvariante auch schon in Deutschland angekommen sei, „aber bei den aktuellen Beschränkungen dürfte diese Variante hierzulande eher schwer Fuß fassen.“

Kontaktreduktion helfe nachweislich gegen die Verbreitung der Mutante. In den Regionen in Großbritannien, die nun abgeriegelt worden sind, sei die neue Virusvariante bereits weitestgehend unter Kontrolle. Da Deutschland sich gerade im Lockdown befinde, geht Drosten nicht davon aus, dass die Mutante sich hier derzeit ausbreiten könne. „Das ist ganz wichtig für die Bevölkerung, die sich jetzt Sorgen macht“, sagte Drosten.

Man habe inzwischen 20 Mutationen in der Virus-DNA in Großbritanneien identifiziert. Warum die neue Variante ansteckender ist, sei jedoch unklar. Dafür habe man aber entdeckt, dass dem Virus ein bestimmtes Gen fehle, welches den Krankheitsverlauf erschwere. „Das ist die gute Nachricht“, sagte Drosten. Möglicherweise sei die Mutante sogar harmloser als das Original und vielleicht verbreite sie sich auch schneller, weil die Infizierten nur milde Symptome entwickeln und daher weniger darauf achten, niemanden anzustecken.