Eon-Chef vermutet Betrug: Hunderttausende Strom-Kunden abgezockt

Ein Albtraum wie aus einer anderen Welt: Plötzlich fällt die Heizung aus und der Strom ist weg. Genau das mussten Hunderttausende Strom- und Gaskunden in den vergangenen Woche befürchten. Ihr Energieversorger sprang nämlich kurzfristig ab. Dahinter könnte sich ein gewaltiger „Insolvenzbetrug“ verbergen, vermutet Eon-Chef Leonhard Birnbaum.

Hundertausende Strom- und Gaskunden wurden von heute auf morgen nicht mehr durch ihren Wahlanbieter mit Energie versorgt. Billigversorger wie zum Beispiel Stromio und Gas.de teilten ihren Kunden mit, dass der Vertrag gekündigt und die Versorgung in wenigen Tagen eingestellt werde. Die Strom- bzw. Gas-Versorgung sprang damit automatisch auf den Grundversorger über. Wer sich nicht schnell um einen vernünftigen Vertrag gekümmert hat, wechselte automatisch in den Grundtarif – in der Regel zu teuren Konditionen. Die Kündigungswelle traf zahlreiche Familien- und Einzelhaushalte kurz vor Weihnachten.

Doch was steckt dahinter? Die Anbieter entschuldigten ihr Vorgehen mit der „historisch einmaligen Preisentwicklung“, der sie nicht mehr standhalten konnten. Nach Informationen von „Focus Online“ sind sie nun aber mitnichten insolvent. Sie stellten lediglich ihre Lieferungen an die Kunden ein. In der Branche macht sich der Verdacht breit, dass die Anbieter durch ihre Kündigungsstrategie extreme Gewinne verzeichnen konnten.

Branchenkenner vermuten, dass die Anbieter ihre Strom- und Gaskontingente jetzt an der Energiebörse handeln – statt ihre Kunden zu beliefern. Denn dort können sie von den derzeit hohen Energiepreisen profitieren. Allerdings ist der Markt unübersichtlich. Der Handel wird von Dienstleistern umgesetzt. So lässt sich schwer zurückverfolgen, wer hinter den gehandelten Stromkontingenten steckt. Das Geschäft läuft anonymisiert, um „Gleichbehandlung aller Handelsteilnehmer sicherzustellen“, heißt es an der Leipziger Strombörse auf Anfrage des News-Portals.

Die Stromkontingente müssen aber doch irgendwo auftauchen. Brancheninsidern sollte das durchaus auffallen. „Der Gedanke liegt nahe, dass diese Strommengen an der Börse verkauft werden“, lässt Eon mitteilen. Konzernchef Leonhard Birnbaum schimpfte auf einer Veranstaltung des Handelsblattes über die Billiganbieter, die ihre Kunden im Regen stehen lassen, um ihre Kontingente zu verhökern. „Da fragen wir uns, ob wir da de facto einem Insolvenzbetrug zum Opfer fallen“, so Birnbaum.

Ob wirklich eine Straftat vorliegt, muss die Bundesnetzagentur feststellen. Verbraucherschutzverbände bezeichnen derart kurzfristige Kündigungen allerdings schon jetzt als unzulässig. Sollte sich Birnbaums Verdacht bestätigen, stehen die Chancen gut, das geschädigte Kunden Schadensersatzansprüche geltend machen können.

3 Kommentare

  1. Wenn es in diesem Land einen rechtstaatliche Ordnung gäbe und keine
    Treuhandverwaltung der BRD , hätten wir ein staatliches Energienetz mit
    bezahlbaren Preisen . Aber hier regieren nur private Firmen .

  2. Hoffentlich werden die Verantwotlichen der Ministerien wach um den korupten Unternehmen
    das Handwerk zu legen. Siehe z.B Gaslieferung von Deutschland zurück nach Richtung Ukraine
    ohne Freigabe der 2. Gasleitung aus Rußland um die Erdgaspreise hochzuhalten.

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