Experten empfehlen dringend einen Grippeschutz

Die Influenza-Saison beginnt im Herbst und das mitten in der Corona-Pandemie. Das Gesundheitssystem könnte durch eine größere Grippewelle doch noch an die Belastungsgrenze kommen, daher sind die in diesem Jahr die Grippeschutzimpfungen besonders wichtig. Aber ist auch für alle genug Impfstoff vorhanden?

Einen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt es noch nicht, aber gegen die Influenza schon. Es handelt sich dabei zwar um verschiedene Erreger, aber der Grippeimpfung kommt in diesem Jahr eine große Bedeutung im Kampf gegen die Pandemie zu. Gesundheitsminister Spahn hat schon vor Wochen mitgeteilt, dass mit 25 Millionen Impfdosen eine Rekordvorhaltung erfolgt. Jedes Jahr erfolgt eine Anpassung des Impfstoffes an die sich ändernden Virusstämme.

Johannes Hübner, leitender Oberarzt der Kinderklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, empfahl am Wochenende allen Eltern eine Impfung ihrer Kinder gegen die Grippe. „Wir wissen, dass Kinder den Influenza-Virus maßgeblich übertragen“, sagte Hübner gegenüber der „Welt am Sonntag“. Wegen der Grippe müssen im Winter immer wieder Kinder stationär behandelt und teilweise auch mit Sauerstoff versorgt werden.

Man kann sich daher leicht ausrechnen, was dies in Zeiten der Pandemie bedeutet. „Gleichzeitig eine größere Grippewelle und die Pandemie kann das Gesundheitssystem nur schwer verkraften. Jeder, der sich und seine Kinder impfen lassen will, sollte und kann das tun“, sagt der Gesundheitsminister. Nicht allein für Kinder werde die Impfung empfohlen, auch Mitarbeiter in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Kindergärten und Schulen sollten sich schützen.

Impfstoff reicht nicht für alle

Bislang gab es vom RKI lediglich Empfehlungen für eine Grippe-Impfung für Menschen über 60 Jahren, Schwangere, chronisch Vorerkrankte und medizinisches Personal sowie Kontaktpersonen von Risikopatienten. Gleiches gilt auch für Personen, die in direkten Kontakt mit Wildvögeln und Geflügel kommen, um so eine Doppelinfektion mit der Vogelgrippe zu vermeiden.

Das RKI betonte aber mit Blick auf Sars-CoV-2, dass besonders Risikogruppen eine hohe Impfquote erreichen sollten, um „neben dem individuellen Schutz auch das Gesundheitssystem zu entlasten“. Lediglich 35 Prozent der über 60-Jährigen waren in der Saison 2018/19 geimpft. Bei den chronisch Kranken waren es nur 20 bis 50 Prozent. Doch werde der zur Verfügung stehende Impfstoff bei Weitem nicht für die gesamte Bevölkerung reichen. Mindestens 40 Millionen Impfdosen würden benötigt, wenn alle Menschen geimpft werden sollten, die es benötigen. Daher sollten die „für die folgenden Jahre erforderlichen Impfstoffmengen“ bereits bestellt werden.

Die Experten vom RKI weisen darauf hin, dass die Grippe und Covid-19 in der gleichen Risikogruppe für schwere Krankheitsverläufe sorgen. Daraus ergibt sich eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass gleichzeitige Behandlungen dieser Erkrankten im Krankenhaus erfolge.
In der Regel beginnt die Grippesaison Anfang Oktober, da die Influenzaviren dann beginnen, zu zirkulieren. Zu diesem Zeitpunkt ist auch die beste Zeit für die Vorsorge. Die Grippewelle selbst startet dann Anfang Januar mit höheren Erkrankungszahlen und dauert in der Regel drei bis vier Monate.

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