Experten rechnen fest mit einer dritten Welle

Der Wendepunkt der zweiten Welle ist noch nicht erreicht, da kündigen Experten von der WHO und vom Roten Kreuz bereits die dritte Welle an. Die Atempause soll kurz werden. Die WHO verweist aber auch darauf, wie man einen dritten Lockdown verhindern könnte.

Laut David Nabarro, dem WHO-Beauftragten für COVID-19 ist ein Lockdown, wie er in vielen Ländern Europas durchgeführt wird, ein „Zeichen des Scheiterns“. Die WHO versucht seit langem die Staaten zu anderen Strategien zu bewegen. Doch Nabarro sieht wenig Hoffnung, dass in Europa eine dritte Welle samt Lockdown verhindert werden könne. „Sie haben es versäumt, die notwendige Infrastruktur in den Sommermonaten aufzubauen, nachdem sie die erste Welle unter Kontrolle gebracht hatten“, sagte Nabarro im Gespräch mit Schweizer Zeitungen. „Jetzt ist die zweite Welle da. Wenn sie nicht jetzt die notwendige Infrastruktur aufbauen, werden wir Anfang kommenden Jahres eine dritte Welle haben.“

Wie die „notwendige Infrastruktur“ aussehen müsste, könne man laut Nabarro von den ostasiatischen Staaten lernen. Taiwan, Südkorea, Vietnam oder Thailand seien bis jetzt ohne größere Lockdown-Maßnahmen durch die Krise gekommen, weil sie „entschlossen reagieren können, sobald sich das Virus wieder irgendwo zeigt.“, erklärt der WHO-Experte in einem Interview mit dem „SPIEGEL“.

Um schwere Ausbrüche zu verhindern, müsse gewährleistet sein, dass alle sich an die immer wieder genannten Hygieneregeln halten: Abstand halten, Maske tragen, Hände waschen, in die Armbeuge niesen, Oberflächen reinigen und Selbstisolation bei geringsten Symptomen. Um sicherzustellen, dass dies geschehe, hätten asiatische Staaten schon in der Vergangenheit ein Bewusstsein in der Bevölkerung geschaffen. Als Beispiel nennt er Thailand: Um die Ausbreitung der Vogelgrippe 2005 in den Griff zu bekommen, habe das Königreich umfangreiche Kontrollstrukturen ausgebaut: „Da hat der Staat ungefähr eine Million Freiwillige ausgebildet, die im ganzen Land in die Dörfer gegangen sind, um Infektionen sofort zu erkennen. Das Ziel war, überall Augen zu haben.“ Diese Art der Kontrolle gefalle zwar nicht jedem, sie könne jedoch ein Land vor großen Ausbrüchen und deren Konsequenzen bewahren. „Ein Lockdown sollte das aller letzte Mittel sein“, sagte Nabarro und verwies auf die wirtschaftlichen Konsequenzen und den Freiheitsentzug.

Andere Experten wie Gerry Foitik, Manager des Roten Kreuzes in Österreich (ÖRK) befürchtet ebenfalls, dass Europa eine dritte Welle nicht verhindern könne. Auf Twitter schrieb der ÖRK-Bundesrettungskommandant: „Pandemien verlaufen in Wellen. Ich erwarte die dritte Welle im Februar/März. Sie sollte allerdings kleiner sein als die zweite.“