

Nächste Woche, am Samstag, den 19. Oktober, beginnt das alljährliche Oktoberfest auf den Wiesn in München. In einem globalen Zusammenhang gilt das Volksfest als das größte der Welt und dieses Jahr wird wieder eine Rekordanzahl an Festteilnehmern erwartet. Etwa 6,5 Millionen Festfreudige werden auf die Theresienwiese strömen, um Bierseidel zu heben, Volkslieder zu grölen und sich über die hohen Preise zu beschweren.
Für Sicherheitsbeauftragte erweist sich die alljährliche Veranstaltung als ein Albtraum, denn wo viele Menschen feiern, fühlen sich auch Terroristen aus der ganzen Welt zu Hause. Nirgendwo könnte eine Bombe besser platziert werden als unter rund 250 000 nichts ahnenden, feuchtfröhlichen Festteilnehmern. In diesem Jahr ist allerdings nicht nur der Staatsschutz über den ständig wachsenden und immer unübersichtlicher werdenden Besucherstrom auf den Wiesn besorgt. Auch Gesundheitsexperten und Krankenhäuser in München und Umgebung warnen vor einem besonderen Phänomen, das sich jedes Jahr mehr verbreitet: der sogenannten Wiesn-Grippe.
Gleich mehrere Übeltäter
Die Bezeichnung “Wiesn-Grippe” ist für die Gesundheitsbehörden in Bayern schon lange ein stehender Begriff für Erkrankungen, die sich ausschließlich auf den Besuch auf dem Oktoberfest zurückführen lassen. Dabei dreht es allerdings nicht um eine einzige Krankheit, sondern um eine Reihe von Erregern, die zu schweren Atemwegsinfektionen führen. „Die sogenannte Wiesn-Grippe ist in den allermeisten Fällen keine Influenza. Das ist einfach ein Sammelbegriff für akute Atemwegsinfekte, die durch das Zusammentreffen vieler Menschen, Schlafmangel, Kälte und Alkoholkonsum begünstigt werden“, sagt Christoph Spinner, Leitender Oberarzt der Infektiologie am Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM). Zu den Viren, die Wiesn-Besucher tagelang außer Gefecht setzen können und weitere Festzeltbesuche verhindern, gehören laut Dr. Spinner Rhino-, Adeno- und Enteroviren, gegen die es keinen Impfschutz gibt.
Impfung für bestimmte Bevölkerungsgruppe angebracht
Herkömmliche Grippe-Erkrankungen sind zwar unter den Oktoberfest-Besuchern weniger zu finden. Dennoch fordert Dr. Spinner besonders Besucher über 75 Jahre und diejenigen, die unter Gesundheitsrisikofaktoren wie Herz-Kreislauf-, Lungen- oder Krebserkrankungen leiden, dazu auf, sich einer Influenzaimpfung zu unterziehen. „Durch das internationale Publikum und die vielen Menschen auf engem Raum in den Festzelten treten aber auch zu dieser Zeit vereinzelt Grippefälle auf“, sagte er. „Generell ist der Beginn des Herbsts der ideale Zeitpunkt, um sich für die bevorstehende Grippesaison ab Oktober impfen zu lassen.“ Auch eine Coronaimpfung für Menschen in der gleichen Gefährdeten-Gruppe hält er für angebracht.