Falsche Sicherheit: TÜV schlägt dringend Alarm

Eine akute Gefahr, wo die wenigsten Autofahrer sie jemals erwarten würden: Der TÜV schlägt aktuell angesichts eines schwerwiegenden Problems dringend Alarm.

Moderne Autos sollen sicherer sein als je zuvor: Es gibt Sensoren für alles, die unermüdlich für die Sicherheit der Fahrzeuginsassen und anderer Verkehrsteilnehmer sorgen. Doch nun kommt eine äußerst beunruhigende Warnung vom TÜV-Verband – es ist keineswegs alles so, wie es scheint.

„Wir stochern im Nebel“
Die Hauptuntersuchung für Pkw ist hierzulande seit 1951 Standard. Eine Plakette signalisiert, dass ein Fahrzeug als verkehrssicher befunden wurde. Doch genau das, so warnt der TÜV-Verband, können die Prüfer derzeit nicht unbedingt garantieren.

Der Grund dafür sind all die fortschrittlichen Assistenzsysteme, die eigentlich unsere Sicherheit erhöhen sollen: Die Prüfer, die die HU durchführen – sei es vom TÜV, von der Dekra oder einer anderen Prüforganisation – sind nicht in der Lage, die Software moderner Fahrzeuge vollständig zu überprüfen.

„Wir stochern im Nebel“, räumte der TÜV-Verband auf einer Konferenz in Berlin ein. Dekra hat bereits zuvor ähnliche Warnungen ausgesprochen. Der Grund dafür ist, dass die Automobilhersteller die notwendigen Diagnosecodes nicht preisgeben und keinen digitalen Zugriff auf die wichtigen Schnittstellen ihrer Fahrzeuge gewähren wollen. Die Prüfer können lediglich etwaige gespeicherte Fehler auslesen.

Frau stirbt im Tesla
Und das, wie der TÜV-Verband betont, ist keine Möglichkeit, gründlich zu überprüfen, ob tatsächlich alles richtig funktioniert. Dies ist besonders besorgniserregend angesichts der Tatsache, dass offenbar immer wieder Fehler auftreten: In einer vom Automobilclub ACV durchgeführten Umfrage berichtete fast die Hälfte der Befragten von gelegentlichen oder sogar häufigen Fehlern: Vollbremsungen ohne ersichtlichen Grund und Schilder, die nicht richtig erkannt werden. Erst gestern berichtete ntv von einer Frau in Texas, die ums Leben kam, als ihr Tesla in die Wand eines Hauses raste. Die Behörden untersuchen derzeit, ob das Fahrassistenzsystem dafür verantwortlich war.

Fahrzeugeigenes Diagnosesystem gibt keine Warnung aus
Nun könnte man argumentieren, dass dies ein außergewöhnlich extremer Fall ist. Schließlich überprüfen sich die Systeme in der Regel ständig selbst. Auch wenn die Prüfer von TÜV & Co. möglicherweise nicht die detaillierten Kontrollen durchführen können, die sie gerne vornehmen würden, sollten Fahrzeuge Fehler selbst diagnostizieren. Doch wie die Dekra warnt, sind Sensoren und Assistenzsysteme häufig falsch eingestellt. Zum Beispiel:

  • Nach einem Windschutzscheibenwechsel: Wird die integrierte Kamera danach nicht perfekt kalibriert, funktioniert die Technik nicht mehr einwandfrei.
  • Nach einem leichten Aufprall oder einem Stoßfängerwechsel: Wichtige Sensoren hinter dem Stoßfänger können minimal verstellt sein – mit schwerwiegenden Folgen.
  • Nach Arbeiten in einer Werkstatt: Wie t-online schreibt, sind laut dem Portal Fabucar und dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe nur 52 Prozent der Werkstätten tatsächlich in der Lage, Sensoren ordnungsgemäß zu kalibrieren.

Schlimmer noch: Eine solche Fehlkalibrierung wird oft nicht von den fahrzeugeigenen Kontrollen erkannt, sodass die Fahrer keine Warnung erhalten, dass etwas nicht stimmt. Wie das Kraftfahrzeugtechnische Institut erklärt, liegt der Grund dafür darin, dass die Fehlertoleranzen bereits ab Werk zu groß sind. Das Leben der Autofahrer könnte in Gefahr sein, ohne dass sie es wissen.

Das Bundesverkehrsministerium arbeitet derzeit an Anpassungen der Vorschriften auf nationaler und EU-Ebene, um die Situation zu verbessern, doch eine wesentliche Änderung ist bislang nicht in Sicht.

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