Gefeierte Olympiasiegerin gesteht 14 Jahre Misshandlung im Training

Seit sie sieben Jahre alt war, schlug und beschimpfte er sie. Einmal brach er ihr die Finger. Mit den Jahren eskalierte die Gewalt.

Die südkoreanische Shorttrack-Olympiasiegerin Shim Suk-Hee hat nach Jahren den Mut gefunden, gegen ihren Trainer auszusagen. Vor Gericht berichtete die junge Sportlerin, über ihr Martyrium mit dem Südkorea-Trainer Cho Jae Beom. Chao habe sie geschlagen, getreten und beschimpft seit sie sieben Jahre alt war. Bei der Züchtigung mit einem Eishockeyschläger hatte er ihr sogar die Finger gebrochen. Über die Jahre sei die Gewalt „eskaliert“. Wenige Wochen vor den Winterspielen in Pyeongchang hatte er sie dermaßen niedergeprügelt, dass sie gedacht habe, „ich könnte jetzt sterben.” Shim war schließlich mit einer Gehirnerschütterung zu den Winterspielen angetreten. Dennoch gewann sie, wie schon vor vier Jahren, gemeinsam mit ihrer Staffel Gold.

Gewalt um ihre “Leistung zu verbessern”
Schon vor Shims Aussage hatte der Trainer ein Geständnis abgelegt. In einem ersten Prozess im Oktober, hatte er zugegeben, Shim und drei weitere Athleten im Trainingslager geschlagen zu haben, um ihre „Leistung zu verbessern”. Dafür war er zu 10 Monaten Haft verurteilt worden, ging aber in Berufung.

Depressionen und Posttraumatische Belastungsstörung
Mit Shims Aussagen droht Chao eine weitaus härtere Strafe. Sie habe nach eigenen Aussagen bei der ersten Verhandlung noch nicht den Mut gehabt, ihren Peiner zu konfrontieren. Die Olypiasiegerin gab nun bei einer Anhörung vor Gericht zu Protokoll, dass sie „zutiefst traumatisiert“ sei und gestand ihr Martyrium: „ich habe den Mut gefunden. Ich muss die Wahrheit sagen.” Shim befinde sich derzeit wegen Depressionen, Angstzuständen, Schlafstörungen und posttraumatischer Belastungsstörungen in psychologischer Behandlung.

Erfolgskarriere der Shorttrack-Queen
Von ihrem Leid hatte die Shorttrack-Expertin sich auf sportlicher Bühne nichts anmerken lassen. Unter Insidern wurde sie als Shorttrack-Queen bezeichnet. Shim begann im Alter von sieben Jahren mit der Eis-Schnelllauf-Disziplin Shorttrack und glänzte als Jugendliche mit herausragende Leistungen. Mit 17 Jahren gewann sie ihre ersten Medaillen: Gold für den Sieg mit der 3.000-Meter-Staffel, Silber im Einzel über 1.500 Meter und Bronze über 1.000 Meter. Dieses Jahr gewann Shim mit der Staffel über 3000 m die Goldmedaille. Außerdem wurde sie achtmal Weltmeisterin und zweimal gelang ihr der Triumph im Gesamt-Weltcup. Nebenbei erreichte sie den Weltrekord über 1.000 Meter.