Gesundheitsbehörde sieht schwarz: “Menschen werden sich entscheiden müssen: Essen oder Heizen”

Der DIW-Präsident warnte neuerlich vor permanentem Wohlstandsverlust in Deutschland. Viel heftiger noch wird die Lage in Großbritannien beurteilt. Die nationale Gesundheitsbehörde rechnet mit Verelendung und einer prekären Gesundheitslage in weiten Teilen der Gesellschaft.

Die nationale Gesundheitsbehörde NHS in Großbritannien warnt vor einer „humanitären Katastrophe“ im Winter. In Großbritannien ist die Inflation noch heftiger zu spüren als in Deutschland. Die Zahl der Erkrankungen in der Bevölkerung werde im Winter rapide zunehmen, wenn die Menschen aus finanzieller Not heraus drastische Entscheidungen treffen müssen, wie z. B. Mahlzeiten ausfallen lassen, um die Heizgebühren zu finanzieren, zitiert die britische Zeitung „The Guardian“ Stimmen der NHS. Covid-19 ist bei diesen Überlegungen nicht einmal berücksichtigt.

In Großbritannien liegt die Inflationsrate über 10 Prozent. Die Preise für Gas und Strom steigen scheinbar ungebremst. Zu den Konsequenzen der Ukraine-Krise macht sich dort immer noch der Brexit bemerkbar. Die „Bank of England“ rechnet damit, dass die Inflation sogar auf 13 Prozent steigen könnte. Doch schon im Juli sind die Preise schneller gestiegen als erwartet. Deshalb könnte der tatsächliche Wert sogar noch höher ausfallen, schreiben Experten der „WiWo“. Großbritannien rast mit voller Geschwindigkeit in die Rezession.

Der britische Finanzjournalist Martin Lewis rechnet mit Unruhen in der Bevölkerung und fordert Lösungen, um die „Menschen zu ernähren und warm zu halten“. Die Regierung unter Boris Johnson, der bald abgelöst wird, ist derzeit allerdings nahezu untätig. Der Premierminister „leitet“ das Amt noch bis ein Nachfolger gewählt wurde. Aktuell befindet er sich allerdings im Urlaub.

In Deutschland liegt die Inflationsrate bei 7,5 Prozent. Finanzexperten sehen die Lage nicht so dramatisch wie in Großbritannien. Doch eine völlige Entwarnung gibt es nicht. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher rechnet mit einem permanenten Wohlstandsverlust. Das erklärte der DIW-Chef kürzlich in einem „SPIEGEL“-Interview. Er sehe, dass in der aktuellen Situation mehr als 40 Prozent der Bevölkerung finanziell in die Ecke gedrängt sind. Sie bräuchten nahezu ihr gesamtes Einkommen für Grundbedürfnisse wie Wohnen, Essen und Energie. „Sie konsumieren alles nicht unbedingt Lebensnotwendige künftig deutlich zögerlicher bis gar nicht mehr“, sagt Fratzscher. Das setze eine wirtschaftliche Abwärtsspirale in Gang.

Wenn die Leute nicht mehr konsumieren (können), fehlt den Unternehmen der Umsatz, um zu investieren. „Das könnte eine Abwärtsspirale mit einer für ein oder zwei Jahre anhaltenden schwachen Wirtschaftsleistung in Gang setzen“, glaubt der Ökonom. Das Bundesamt für Statistik bestätigt seine Prognose in Anfängen: Im Juli ist der Umsatz im Einzelhandel so stark geschrumpft wie seit 1994 nicht mehr.

Ein Kommentar

  1. Und dann wird wieder alles teurer damit die Unternehmen ihr Geld verdienen.
    Letztes Jahr wurden weniger Mülltonnen geleert. Deshalb hat man dieses Jahr die Müllgebühren erhöht. So einfach…

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