Großraum Lissabon muss wieder in den Lockdown

Vergleichsweise gut ist Portugal bislang durch die Corona-Krise gekommen. Doch in den letzten Wochen sind die Zahlen besorgniserregend gestiegen. Zum neuen Hotspot entwickelt sich dabei der Großraum Lissabon. Nun greifen verschärfte Maßnahmen der Regierung.

Der Umgang Portugals mit der Pandemie galt bislang als vorbildlich. Früh wurde ein Ausnahmezustand verhängt und durch viele Tests konnten Zustände wie in Spanien bislang vermieden werden. Doch nun herrscht Angst vor einer zweiten Welle. Besonders in Lissabon sind die Infektionszahlen seit Anfang Juni wieder stark gestiegen. Einen erneuten Lockdown für den gesamten Großraum hat die Regierung nun angekündigt.

Ministerpräsident António Costa gab bekannt, dass ab 1. Juli Ausgangssperren gelten werden. In 19 betroffenen Gemeinden ist es den Bewohnern nur noch zum Einkaufen, zum Arbeiten oder beim Besuch eines Arztes erlaubt, das Haus zu verlassen. Auch sind maximal 5 Personen bei Versammlungen erlaubt. Im Zentrum von Lissabon sind keine Bezirke betroffen.

Auf einer Pressekonferenz sagte Costa: „Die einzige wirksame Form, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen, ist, dass die Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben und stets die soziale Distanz sowie alle Schutz- und Hygienestandards einhalten“. Mit knapp 18.000 Infektionsfällen ist die Region Lissabon seit Beginn der Pandemie der am stärksten betroffene Landesteil. Gut drei Viertel der 311 am Donnerstag gemeldeten Neuinfektionen kamen demnach aus dem Großraum der Hauptstadt. Bislang war der Norden rund um Porto der Schwerpunkt des Infektionsgeschehens.

Partys als Spreading-Events

Das Virus hat sich seit Anfang Juni besonders in den Armenvierteln ausgebreitet. Viele Bewohner sind auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen, es herrschen schlechte hygienische Bedingungen in beengten Wohnverhältnissen. Aber auch private Feiern werden für den neuerlichen Anstieg verantwortlich gemacht. Mindestens 20 Personen hätten sich demnach allein bei einer Party auf einem Campingplatz infiziert, so die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Schon Anfang des Monats war es bei illegalen Party an der Algarve zu mehr als 70 Infektionen gekommen.

In den Fokus der Aufmerksamkeit rücken dabei für allem junge Leute. Nach den Lockerungen Anfang Mai stieg in der Altersgruppe der 10- bis 30-Jährigen die Zahl der Neuinfektionen um 90 Prozent, so das Gesundheitsministerium. „Diejenigen, die glauben, wieder zum normalen Leben zurückkehren zu können, haben sich schwer getäuscht“, sagte Gesundheitsministerin Marta Temido.

Im Zusammenhang mit Covid-19 verzeichnet Portugal bislang mehr als 40.000 nachgewiesene Infektionen und rund 1.500 Todesfälle. Doch nun zeigt der Trend klar nach oben. In den letzten sieben Tagen kamen täglich durchschnittlich 347 Neuinfektionen hinzu. Das macht gut 24 pro 100.000 Einwohner. Nur Schweden und Nordmazedonien haben schlechtere Werte aufzuweisen.

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