

Skandal? Einer der häufigsten medizinischen Eingriffe, der in Deutschland durchgeführt wird, könnte unnötig oder sogar schädlich sein! Wahrscheinlich wurde auch Ihnen bereits der Meniskus operiert – oder einem Menschen aus Ihrem nahen Umfeld. Laut einer Studie ist das aber wahrscheinlich kontraproduktiv.
Mit der Diagnose Meniskusanriss oder -abriss stehen Patienten oft vor der Entscheidung, ob sie sich operieren lassen müssen oder nicht. Eine aktuelle Studie mit Beobachtungszeitraum von zehn Jahren kommt nun zu dem Schluss, dass die weitverbreitete Operation am Knie langfristig gar keinen Nutzen hat. Laut Erkenntnissen des Forschungsteams von der Universität Helsinki kommt es unter Umständen nach Jahren sogar zu einer schlechteren Funktion des Knies und stärkerem Gelenkverschleiß im Vergleich zu nicht operierten Betroffenen.
Achten Sie auf diese Symptome!
Der Meniskus ist eine C-förmige, gummiartige Knorpelscheibe im Kniegelenk, die als eine Art Stoßdämpfer zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein fungiert. In jedem Knie finden sich zwei Menisken. Bei Verletzung oder Abnutzung kann es zu Schmerzen, Steifheit, Schwellungen, Schwierigkeiten beim Beugen des Knies oder einem Knirschen beziehungsweise Knacken sowie einem Blockadegefühl beim Bewegen kommen. Fachärzte stellen mit speziellen Funktionstests und Magnetresonanztomografie fest, ob Handlungsbedarf besteht.
Was bei der OP gemacht wird
Die Operation – eine sogenannte Teilmeniskektomie – ist schlichtweg die Entfernung der eingerissenen oder beschädigten Teile des Meniskus im Kniegelenk und findet üblicherweise minimalinvasiv mit einem Arthroskop statt.
Von insgesamt 146 Studien-Patienten und -Patientinnen im Alter von 35 bis 65 Jahren aus fünf finnischen Krankenhäusern wurde bei einem Drittel ein Meniskusriss nach einer akuten Sportverletzung oder einer Kniegelenkverdrehung diagnostiziert, bei zwei Dritteln traten die Symptome allmählich auf. Zehn Jahre danach zeigte sich, dass operierte Personen eine schlechtere Kniegelenkfunktion, ein stärkeres Fortschreiten der Arthrose und eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine nachfolgende Knieoperation aufwiesen.
„Unwirksam bis schädlich“
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass dies ein Beispiel für eine sogenannte medizinische Umkehrung sein könnte, bei der sich eine weitverbreitete Therapie als unwirksam oder sogar schädlich erweist“, wird ein Forscher zitiert.
Zweitmeinung empfehlenswert
Wen diese Erkenntnisse verunsichern, sollte sich vor einer Operation unbedingt eine Zweitmeinung holen und ganz konkret nachfragen. Denn bei einigen Meniskusschäden ist ein schneller operativer Eingriff unvermeidlich. Auch, wenn Physiotherapie nach mehreren Monaten keine deutliche Verbesserung bringt, sollte man einen operativen Eingriff in Erwägung ziehen, raten Fachleute.