ICE-Lokführer brettert betrunken durch Bahnhof in Sachsen-Anhalt

Am Dienstag rauschte ein ICE unkontrolliert durch Sachsen-Anhalt. Der Lokführer war sturzbetrunken.

Am Dienstagabend rauscht der ICE 933 zwischen Hamburg und Leipzig am Bahnhof Wittenberg vorbei, wo er eigentlich hätte halten sollen. 20 Minuten später wurde der Zug in Bitterfeld angehalten. Die Polizei bat den Lokführer zum Alkoholtest und dieser ergab einen Wert von fast 2,5 Promille. Dem Bahnbeamten wurde die Weiterfahrt untersagt. Ob er jemals wieder einen Zugführerstand betreten darf, ist ungewiss.

Die Bahn bat Reisende mit dem Ziel Wittenberg, den nächsten Zug zur Rückfahrt zu nutzen. Laut BILD-Zeitung konnten die Menschen auf S-Bahnen zurückgreifen. Ein Ersatz-Lokführer brachte den ICE und die restlichen Fahrgäste mit 65 Minuten Verspätung nach Leipzig. Die Deutsche Bahn entschuldigte die „Verzögerung im Betriebsablauf“ und ließ mitteilen: „Wir entschuldigen uns bei unseren Fahrgästen für die Unannehmlichkeiten, die sie durch die Situation in Lutherstadt Wittenberg bzw. Bitterfeld hatten“ Weiter erinnerte die Bahn an die Entschädigungsregeln der Fahrgastrechte, die in diesem Fall vollumfänglich gelten würden.

Null-Promille-Grenze
Die Mitteldeutsche-Zeitung wollte wissen, was nun mit dem betroffenen Lokführer geschehen werde. Daraufhin erklärte ein Sprecher der Bahn: „Unabhängig davon, was die Untersuchungen im aktuellen Fall ergeben, gilt bei der DB eine Null-Promille-Grenze in den Führerständen unserer Züge.“ Ein Verstoß gegen diese Regel werde sehr ernst genommen und nach einem strengen Regelwerk geahndet. Der Triebfahrzeugführerschein werde sofort eingezogen und dem Eisenbahnbundesamt übergeben.

Um seinen Führerschein wiederzuerlangen, müsse der Lokführer anhand medizinischer und psychologischer Untersuchungen belegen, dass kein krankheitsbedingter Alkoholmissbrauch vorliege und eine Wiederholungsgefahr ausgeschlossen werden könne. Am Ende entscheide das Eisenbahnbundesamt, ob der Führerschein wieder an den Betroffenen herausgegeben wird.

Alkoholmissbrauch unter Bahnfahrern
Trotz strenger Regeln kommt es immer mal wieder vor, dass Lokführer durch alkoholbedingte Ausfallerscheinungen auffallen und aus dem Zug geholt werden müssen. 2017 riefen beunruhigte Fahrgäste die Polizei, weil ihnen die ruckelnde Fahrweise der Euregiobahn von Aachen nach Stolberg unheimlich wurde. Die Beamten stellten beim Lokführer später einen Alkoholwert von über 2 Promille fest.

Im März 2018 verursachte ein betrunkener Straßenbahnfahrer in Köln sogar einen Unfall mit 41 Verletzten. Der Straßenbahnfahrer hatte den Triebwagen am Kölner Eifelwall gegen eine stehende Bahn krachen lassen. Die Polizei stellte in diesem Fall über 3 Promille fest. Offenbar hatte der Fahrer noch während der Fahrt getrunken.