Jugendliche verbreiten das Virus genauso stark wie Erwachsene

Experten gingen bislang davon aus, das bei der Verbreitung das Coronavirus Kinder und Jugendliche kaum eine Rolle spielen. Aus Südkorea kommt nun eine Studie, die dem widerspricht und zeigt, dass auch Teenager so infektiös wie Erwachsene sein können.

Der Unterricht nach den Sommerferien soll ohne Mund-Nasen-Schutz, Abstand und Kleingruppen stattfinden, so der Plan vieler Bundesländer. Die Hoffnungen auf eine Rückkehr zum normalen Schulunterricht könnte nun aber eine Studie aus Südkorea trüben. Denn auch Jugendliche können das Coronavirus so stark verbreiten wie Erwachsene, so die Wissenschaftler. Nur selten ansteckend sind hingegen Kinder unter zehn Jahren. Die Risiken einer Schulöffnung sind so schwer abzuschätzen.

59.073 Kontakte von insgesamt 5706 Infizierten hatten die Forscher ausgewertet. Darunter waren 153 Heranwachsende mit rund 700 Kontaktpersonen. Aus der Untersuchung geht hervor, dass nur 5 Prozent der Kontaktpersonen von Kindern unter 10 Jahren angesteckt werden, bei Jugendlichen sind es mit 19 Prozent sogar mehr als die meisten Erwachsenen.

Über die Gründe rätseln die Wissenschaftler noch. Ein Grund könnte aber das kleinere Lungenvolumen bei Kinder sein und das dadurch weniger Aerosole ausgestoßen werden. Durch ihre Körpergrüße atmen sie auch weiter am Boden, was es unwahrscheinlicher macht, Viren einzuatmen. Teenager sind hingegen oft genauso groß wie Erwachsene, doch sind diese Zusammenhänge noch Spekulationen.

Die südkoreanische Studie gibt noch keine endgültige Antwort auf die Rolle von Kinder und Jugendlichen, aber die Experten erachten sie als robust. „Es ist eine der besten Arbeiten, die wir bislang zum Thema hatten“, sagte Ashish Jha, Direktor des Harvard Global Health Institute, der „New York Times“. Vorherige Untersuchungen hatten Kinder und Jugendliche nicht als Treiber der Pandemie betrachtet. Diese waren oft klein und fehlerhaft, sagte Jha.

Schulen in Israel wurden zu Corona-Hotspots

Der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Universität Ulm, Klaus-Michael Debatin sagte aber, dass auch die Zahl der untersuchten Kinder und Jugendlichen in Südkorea vergleichsweise gering war. Im Gegensatz dazu kommen Analysen aus anderen Ländern, etwa den Niederladen zu dem Ergebnis, dass Jugendliche keine große Rolle bei der Verbreitung spielen.

Eindeutige Schlüsse lassen sich auch nicht aus den Erfahrungen mit Schulöffnungen in anderen Ländern schließen. Einen ruckartigen Anstieg an Infektionen gab es zum Beispiel in Israel, als im Mai alle Schüler wieder zum Unterricht durften. Hingegen kam es in anderen Ländern, wie Dänemark nicht zu einer stärkeren Verbreitung des Virus.

Abzuwarten bleibt daher, wie der Unterricht nach den Sommerferien in Deutschland aussehen wird. Kanzleramtschef Helge Braun hat sich in einem Interview für einen „weitestgehend normalen“ Schulbetrieb ab Herbst ausgesprochen. Der Bildungsauftrag des Staates müsse wieder komplett erfüllt werden, Schulen und Kitas sollen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wieder gewährleisten. Dafür bedarf es eines Hygienekonzeptes und der Sicherstellung, dass Kontakte nur im Klassenverband erfolgen.

Skeptisch sieht dies Bayerns Ministerpräsident Markus Söder: „Ich sag‘ Ihnen ganz offen, ich bin noch nicht so überzeugt, dass es einen ganz normalen Regelunterricht geben wird“, so Söder gegenüber dem ZDF. Er betonte: „Wir müssen uns auch Alternativkonzepte überlegen, ein abgestuftes System, für den Fall, dass es wieder schlimmer wird.“

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