Junge mit Strick um Hals an Turnhallendach gefunden

Auf der Kinder-Intensivstation des Klinikums am Winterberg kämpft eine 12-jähriger Junge um sein Leben. Derzeit liegt er im Koma und wird künstlich beatmet. Seine Eltern sind schwer geschockt und wachen an seinem Krankenbett.

Ihr Sohn Anil ist aufgehängt an einem Turnhallendach gefunden worden. Nun rätselt die Familie über die Ursache und fragt sich, was genau passiert ist. War es ein Unfall oder ein Verbrechen? Vielleicht sogar Selbstmord? Am Donnerstag der letzten Woche spielte Anil noch auf dem Schulhof der Grundschule in Bettingen Fußball mit seinen Kumpels. Sein Onkel Orhan Tekce sagte in einer Stellungnahme: „Wir feierten das Ende des Ramadans, erhielten einen Anruf: Anil habe sich den Fuß gebrochen.“ Umgehen eilte die Familie zum Schulhof ganz in der Nähe des Wohnhauses. Tekce: „Krankenwagen und Rettungshubschrauber waren da. Wir erfuhren die bittere Wahrheit!“

Ein Mädchen aus der Schule hatte den leblosen Körper des Jungen später am Turnhallendach gefunden. Der Sprecher der Polizei, Georg Himbert, sagte: „Passanten holten das Kind runter, fingen an zu reanimieren.“

Die Hintergründe des Geschehens sind bisher noch völlig unklar. Himbert sagte weiter: „Wir gehen allen Hinweisen nach, ermitteln in alle Richtungen. Aber es gibt mehr Gerüchte als Fakten. Nur der Junge weiß die Wahrheit, aber er ist nicht ansprechbar.“ Sein Onkel Orhan sagte hingegen: „Anil hat sich nicht umgebracht! Er ist ein gesunder und glücklicher Junge! Er hing an einem Seil mit einem Knoten, den er nie im Leben selbst hat knüpfen können.“ Die Familie bangt derzeit um das Leben des Jungen und betet, dass er den schrecklichen Vorfall überlebt. Orhan Tekce: „Aber die Ärzte machen uns wenig Hoffnung.“

Der Kinder- und Jugendtherapeut Dr. Christian Lüdke hat seine Doktorarbeit über Selbstmord bei Kindern und Jugendlichen geschrieben. Er glaubt nicht, dass sich der Junge umbringen wollte und sagte: „Ein Suizid bei 10- bis 12-Jährigen ist extrem selten. Ich glaube an einen spielerischen Unfall.“ Und der Therapeut weiter: „Die Jungs spielen Szenarien aus dem Internet oder Serien nach. Das sind Grenzerfahrungen, Mutproben. Wenn jemand fröhlich aus dem Haus geht, um mit Kumpels Fußball zu spielen, bringt der sich nicht um. Nicht in dem Alter. Das habe ich noch nie erlebt.