Karl Lauterbach fordert Sofort-Maßnahmen gegen dritte Welle

Das Robert-Koch-Institut (RKI) erwartet einen dramatischen Anstieg der Corona-Zahlen in Deutschland. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert deshalb drei Sofort-Maßnahmen. Der nächste Corona-Gipfel ist aber erst für den 22. März geplant.

„Die dritte Welle rollt bereits seit zwei Wochen durch Deutschland. Um die Lage beherrschbar zu halten und die Krankenhäuser nicht zu überfordern, brauchen wir jetzt drei Maßnahmen“, sagte der Bundespolitiker Karl Lauterbach im Interview mit der Rheinischen Post. Er rechnet damit, dass die Bundesrepublik trotz bestehender Maßnahmen schon Anfang April die Inzidenz von 100 überschreiten werde. Darum hat der SPD-Politiker drei Forderungen, die seiner Meinung nach sofort einsetzen müssten.

Erstens dürfe es nach Lauterbach „keine lokalen Ausnahmen bei der Notbremse geben.“ Zwei Landkreise in Brandenburg verweigern bereits eine Verschärfung der Maßnahmen, obwohl sie den Inzidenzwert von 100 überschritten haben. Ein Landkreis in Baden-Württemberg rechnet sich seit Tagen die Inzidenz durch eine „Bereinigung“ herunter, obwohl der eigentlich ermittelte Wert tatsächlich konsequent steigt.

Zweitens fordert Lauterbach die strikte Einhaltung des Impfplans. Sowohl der Impfstoff von Biontech/Pfizer als auch der von AstraZeneca sollten weiterhin für die Immunisierung zum Einsatz kommen – und zwar streng nach Plan bezüglich der Prioritätsgruppen. Bedenken zu AstraZeneca wischt der Gesundheitsökonom zur Seite: „Das Thrombose-Risiko ist nicht erhöht, wie jüngste Studien aus den vergangenen Tagen zeigen“, versicherte Lauterbach.

„Drittens bin ich für einen Schul-Stopp, weil die Virus-Mutationen sich insbesondere bei den Jüngeren rasant ausbreiten. Ich appelliere an die Länder, alle Schulen bis Ostern wieder zu schließen, auch die Grundschulen“, sagt Lauterbach. Nur Schulen, in denen das Infektionsgeschehen bereits per Schnelltests überwacht werden könne, dürften offenbleiben, wenn es nach dem SPD-Politiker ginge.

Ob seine Warnung gehört werden, wird sich zeigen. Der Bund wird planmäßig erst wieder am 22. März mit den Ministerpräsidenten über die weitere Corona- und Öffnungsstrategie beraten. Eigentlich waren für den kommenden Gipfel jedoch noch ganz andere Themen geplant. Nach der letzten Ministerpräsidenten-Konferenz hieß es: das Gastgewerbe und der Eventbereich würden nächstes Mal thematisiert. Abhängig von der weiteren Entwicklung werde über eine Perspektive für die bisher „noch nicht benannten Bereiche aus den Branchen Gastronomie, Kultur, Veranstaltungen, Reisen und Hotels“ beraten. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga hatte nach dem vergangenen Gipfel vom 3. März beklagt: „Weite Teile unserer Branche sind nach wie vor völlig ohne Perspektive.“