Kein Internetzugang mehr – Mobilfunkanbieter schalten Netze dauerhaft ab

Viele Mobilfunknetze in Deutschland werden in absehbarer Zeit für die Kunden deutlich schlechter als bisher. Diejenigen, die noch UMTS (3G) nutzen und keine LTE Zugang haben, werden künftig nicht mehr mit mobilem Internet versorgt. Dies betrifft vor allem günstige Tarife von Drittanbietern.

Der Mobilfunkanbieter Freenet warnt davor, dass die Mobilfunknetze für viele Nutzer in naher Zukunft eher schlechter als besser werden. Viele Mobilfunkkunden haben lediglich Zugang zum UMTS-Netz. Diese Netze werden aber von den drei großen Anbietern Vodafone, Telekom und Telefonica bald außer Betrieb genommen, um Kapazitäten und freie Frequenzen für die LTE und 5G-Netze zu schaffen. „Obwohl schon vor rund 8 Jahren eingeführt, haben 60 bis 70 Prozent der deutschen Mobilfunkkunden immer noch keinen LTE-Anschluss“, erklärte Freenet-Vorstandsmitglied Rickmann von Platen in der FAZ.

Die genaue Anzahl derer, die LTE nutzen können, ist derzeit nicht bekannt. Lediglich Vodafone und Telefonica weisen konkrete Zahlen aus. Diese bewegen sich zwischen 26 Prozent (Vodafone) und 37 Prozent (Telefonica). Das so viele Menschen lediglich den 3G Standard benutzen können, liegt an einer fehlenden Diensteanbieterverpflichtung, die besagt, dass die Provider ihre Infrastruktur Drittanbietern zur Verfügung stellen müssen.

Diese Verpflichtung war noch Teil bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen und ist bis heute der Grund, dass die Kunden solche Verträge bei Drittanbietern erwerben können. Lediglich einige Anbieter haben die Option im Angebot, gegen Aufpreise LTE-Zugänge zu inkludieren.

UMTS-Netze werden 2020 abgeschaltet.

Wann die großen Provider die Netze zurückbauen, ist noch unklar. Die Telekom garantiert in neueren Verträgen nur noch eine Versorgung bis 31.12.2020, bei Vodafone spricht man von der Zeit zwischen 2020 und 2021. Auch wenn nicht alle Netze sofort zum Stichtag abgeschaltet werden, ergeben sich doch erhebliche Lücken in der Versorgung.

Schon jetzt zeigt sich, dass Kunden massiv Probleme bekommen. So errichtet die Telekom in kleinen Dörfern mittlerweile nur noch LTE-Masten. Dies hat zur Folge, dass Nutzer mit UMTS-Verträgen zwar eine Internetversorgung haben, diese aber nicht nutzen können. „Diese vielen Kunden ohne LTE-Tarif sind auf veraltete UMTS-Netze angewiesen, die immer größere Lücken aufweisen, weil die Betreiber sie zurückbauen. So könnten die weißen Flecken sogar noch größer werden, bevor es besser wird“, erklärte von Platen.

Auch für die Anfang 2019 vorgesehene Versteigerung der 5G-Lizenzen sieht keine Diensteanbieterverpflichtung vor. Daher wirbt Freenet dafür, einen regulierten Zugang von den großen Providern zu erhalten. United Internet, neben Freenet der zweite große Anbieter von Mobilfunkverträgen, bringt ein nationales Roaming ins Gespräch, welches die Nutzung von Funkmasten anderer Provider erlauben würde. Vor diesem Hintergrund arbeitet United Internet womöglich an einem Aufbau eines vierten, eigenständigen Mobilfunknetzes. Um dieses als konkurrenzfähig anbieten zu können, seien in der Testphase Zugriffe auf andere Netze jedoch essentiell.