Kinderkrankheit MIS-C: Starker Fallanstieg in Corona-Hotspots

Seit Anfang Januar erkranken in Großbritannien jeden Tag etwa zwölf bis 15 Kinder an der schweren Kinderkrankheit MIS-C, die mutmaßlich im Zusammenhang mit der Corona-Infektion steht.

In Großbritannien hat die zweite Corona-Welle zu einem deutlichen Anstieg der MIS-C-Fälle geführt. Auch Schweden und die USA melden steigende Fallzahlen der Kindererkrankung. Einen Anstieg stellt man auch in Deutschland fest, allerdings in geringerem Ausmaß.

In Großbritannien werden derzeit rund 100 Kinder pro Woche mit MIS-C in Krankenhäusern eingeliefert. Die Krankheit, bei der eine schwere Entzündungsreaktion im ganzen Körper auftritt, wird seit letztem Frühjahr bei Kindern beobachtet. Sie tritt zwei bis sechs Wochen nach einer Corona-Infektion auf, unabhängig davon, wie schwer diese verlief.

Laut der britischen Zeitung „The Guradian“ besteht eine Wahrscheinlichkeit von 1 zu 5000, dass ein Kind nach einer Corona-Infektion an MIS-C erkrankt. Parallel zu den gestiegenen Corona-Fallzahlen werden in Großbritannien nun auch mehr MIS-C-Fälle gemeldet. Eine vergleichbare Entwicklung meldet Schweden: Das Astrid-Lindgren-Krankenhaus in Stockholm meldete dieses Jahr bereits 30 MIS-C-Erkrankungen.

„Wichtig ist zu wissen, dass diese Krankheit erst auftritt, wenn die Corona-Erkrankung schon längst überstanden ist, also 4 bis 6 Wochen danach“, zitiert RTL den Medizinjournalisten Dr. Christoph Specht. „Dass Kinder von dieser Krankheit betroffen sind, ist selten. Das muss man erstmal weiter beobachten.“

Auch Krankenhäuser in Washington, D.C., Los Angeles, Colorado, Nebraska and New Jersey in den USA melden einen Anstieg an MIS-C Fällen, In den USA wurden seit Beginn der Pandemie 2,8 Millionen Corona-Infektionen bei Kindern festgestellt. 2.060 davon erkrankten an MIS-C, 30 dieser Fälle endeten tödlich.

In Großbritannien wurde festgestellt, dass 75 Prozent der schwer erkrankten Kinder einer ethnischen Minderheit angehören. Viele sind dunkelhäutig oder haben asiatische Wurzeln. In den USA zeigt sich ein ähnliches Bild. Unklar ist, ob für diese Häufung genetische oder kulturelle Faktoren verantwortlich sind oder ob ein Zusammenhang zur sozialen Situation dieser Kinder besteht. Genannte Bevölkerungsgruppen sind in diesen Ländern auch oft ärmer als der Bevölkerungsdurchschnitt.

MIS-C (Multisystem Inflammatory Syndrome in Children), unter anderem Namen PIMS „Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome“, gilt mit entzündungshemmenden Medikamenten als gut behandelbar. Dennoch ist die Erkrankung schwer und kann tödlich enden. Die Überzahl der jungen MIS-C-Patienten muss intensivmedizinisch behandelt werden. Symptome sind hohes Fieber, ein Hautausschlag, beidseitige Bindehautentzündung, geschwollene Lymphknoten, Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen bis hin zu Herzproblemen und starkem Abfall des Blutdrucks.

In Deutschland wurden bislang 168 PIMS-Fälle gemeldet. Zum Zeitpunkt Entlassung wurden bei sechs Prozent der Fälle Folgeschäden registriert. Tödliche Verläufe liegen der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) nicht vor.