Lauterbach: Ganz Deutschland wird Risiko-Gebiet

Gesundheitsökonom Karl Lauterbach schockiert mit einer krassen Prognose. Er gehe davon aus, dass „quasi ganz Deutschland ein Risikogebiet wird.“ Dies sei angesichts der steigenden Infektionszahlen zu erwarten.

Im Interview mit dem „Tagesspiegel“ machte SPD-Politiker Karl Lauterbach (57) schockierende Aussagen über die Entwicklung von Corona in Deutschland. Seine Worte sind pragmatisch aber ernst. Auf die Frage, was er von den Quarantäne-Regeln für innerdeutsche Reisen halte, antwortete Lauterbach, dass vermutlich bald in sehr vielen Regionen der kritische Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschritten werde. „Die bestehenden Quarantäneregelungen werden dann kaum mehr Sinn machen, weil quasi ganz Deutschland ein Risikogebiet sein wird,“ so der Gesundheitsökonom.

Auch vom Konzept der Corona-Ampel, welche die Auslastung von Krankenhäusern überwachen soll, hält Lauterbach nicht viel. Es sei wichtig, die Zahl der Infizierten und deren Altersstruktur im Blick zu behalten. „Daraus lässt sich die Sterblichkeit ablesen, die wir in einigen Wochen zu erwarten haben,“ führt der SPD-Politiker aus.

Weiter fordert Lauterbach, die Ausgabe von Schnelltests zu priorisieren, damit diese nicht an falscher Stelle verschwendet würden. Lauterbach sieht dabei zwei wichtige Prioritäten: „Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen in den Pflegeeinrichtungen nicht versterben und dass unsere Kinder zur Schule gehen können.“

Unterdessen überschlugen sich die Corona-Meldungen am Wochenende erneut. Das RKI zählte erstmals 2279 Neuinfektionen an einem Sonntag. Die Zahl überrascht, weil am Wochenende meist weniger Fälle gezählt werden, da manche Gesundheitsämter erst wieder am Montag ihre Daten übermitteln. Auffällige Ausbrüche ereigneten sich in Niedersachen.

Neue Corona-Hotspots in Niedersachsen

In der Gemeinde Lemwerder wurden alle Kitas und Schulen vorsorglich geschlossen, nachdem 200 Menschen in Quarantäne geschickt worden sind. Eine Kita-Erzieherin und ein Sechstklässler waren am Freitag positiv auf Corona getestet worden.

Im emsländischen Sögel ereignete sich ein Ausbruch in einem Schlachtbetrieb. 81 Beschäftigte wurden positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Die Infizierten und ihre Kontaktpersonen begaben sich am Wochenende ebenfalls in Quarantäne.

Kanzlerin und Kabinett beraten die Corona-Lage

Am Montag um 11:30 Uhr wird Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den zuständigen Fachministern die aktuelle Pandemielage in Deutschland besprechen. Dabei sollen die jüngsten Beschlüsse des Bund-Länder-Gipfels zur Eindämmung von Corona thematisiert werden. Großes Thema sind die geltenden Einreiseregelungen. Geplant wurde bisher, dass Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet auf jeden Fall in Quarantäne müssen und diese erst ab dem fünften Tag durch einen negativen Corona-Test beenden können.