Lybiens Premier im Interview: Asyl-Zentren sind unerwünscht

Libyen ist für Migranten eine gefährliche Etappe auf der Flucht von Afrika nach Europa. Auch hier will die EU Asyl-Zentren errichten lassen. Libyens Premier Fajes al Sarradsch spielt nicht mit.

Scheinbar spontan ist es Reportern der BILD-Zeitung gelungen, den lybischen Premierminister zu interviewen. Dieser ist gleich auskunftsbereit gegenüber den Journalisten. Den EU-Plänen steht er weniger kooperativ gegenüber.

Der libyschen Küstenwache wird von privaten Hilfsorganisationen vorgeworfen, sie würde Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen, weil sie ihnen die Rettung verweigern würde. Der libysche Staatschef weist die Vorwürfe zurück. Die Libysche Küstenwache sei ununterbrochen unterwegs um Geflüchtete aus dem Meer zu retten. Es mangle jedoch an technischen und finanziellen Mitteln. Al Sarradsch wünschte sich mehr Unterstützung für die Überwachung und Rettung der Flüchtlingsströme: „Wir Libyer werden immer noch sehr allein gelassen bei der Rettung. Es gibt immer noch nicht genügend Unterstützung für unsere Küstenwache. Und vor allem: es gibt keinen globalen Plan, um die Flüchtlingskrise zu lösen.“ Er fordert, dass die Weltengemeinschaft die Herkunftsländer der Flüchtlingsströme besser unterstützen sollte. Die Flüchtlinge „sollten sich gar nicht erst auf den gefährlichen Weg machen, das sollte das Ziel sein.“

Die Reporter der BILD-Zeitung sprechen al Sarradsch auch auf die Menschenrechtsverletzungen an, die sich in libyschen Flüchtlingsunterkünften ereignen sollen. Auf die genauen Vorwürfe geht der Premier allerdings nicht ein: „Wir haben Flüchtlingsunterkünfte für mehrere zehntausend Menschen geschaffen, aber in unserem Land halten sich mehrere hunderttausend illegale Migranten auf, was die Sicherheitslage massiv verschlechtert. Darunter sind Terroristen, Kriminelle und Menschenschmuggler, die keinen Wert auf Menschenrechte legen. Das ist grausam.
Um die Zustände zu verbessern, müssen wir diese Strukturen bekämpfen, auch dafür brauchen wir mehr internationale Hilfe. Das fängt bereits bei unseren Landgrenzen an, die dringend besser überwacht werden müssen.“

Die europäische Idee in Nordafrika Asyl-Zentren einzurichten und nicht-willkommene Flüchtlinge dorthin zurückzuschicken, irritiert al Sarradsch: „Ich wundere mich schon sehr darüber, dass in Europa mittlerweile niemand mehr Migranten aufnehmen will, aber uns bittet, hier weitere hunderttausende aufzunehmen.“ Er macht deutlich, dass Libyen absolut gegen die Errichtung von Asyl-Zentren für illegale Migranten ist. Er sei auch nicht bereit, Flüchtlinge gegen EU-Gelder aufzunehmen und ergänzt: „Die EU sollte vielmehr mit den Ländern reden, aus denen die Menschen kommen und dort auch Druck ausüben. Mit uns wird es keine Deals geben.“