Mädchen (5) stirbt im Stadt-See auf ungeklärte Weise

Im Märchensee Hannover spielen drei Kinder. Nur zwei kehren zurück. Von Christabel (5) fehlt jede Spur. Später findet man ihre Leiche.

Spaziergänger beobachteten am Freitagabend wie drei Kinder am Märchensee in Hannover im Wasser spielten. Den offenbar unbeteiligten Zuschauern fiel dann auf, dass ein Mädchen plötzlich fehlte. Sie alarmierten gegen 19:15 Uhr den Notruf. Weniger später erreichten die Einsatzkräfte den See in einem idyllischen Park in Hannover und begaben sich „ohne zu zögern“ ins Wasser, heißt es in der Pressemitteilung der Polizei.

Die Suche dauerte etwa 10 Minuten, weil das Wasser trüb war, berichtet ein Augenzeuge der „Bild“-Zeitung. Dann erst fand ein Polizeibeamter den leblosen Körper der Fünfjährigen. Die Einsatzkräfte versuchten sofort das Kind zu reanimieren. Sie wurde in ein Krankenhaus gebracht. Doch die Ärzte in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) mussten schließlich einen Totenschein ausstellen.

Auf den ersten Blick scheint es ein dramatischer Badeunfall. „Es deutet alles darauf hin, dass das Mädchen ertrunken ist“, sagt ein Sprecher der Polizei. Doch der Fall wirft viele Fragen auf: Noch ist unklar, ob das Kind tatsächlich ertrunken ist. Ein Obduktionsbericht liegt bislang nicht vor. Geklärt werden muss auch, warum die Kinder scheinbar unbeaufsichtigt am Wasser spielten und wo sich die Eltern der kleinen Christabel und ihrer Freunde zum Unfallzeitpunkt befanden. Aus den Pressedaten der Polizeidirektion Hannover geht ebenfalls nicht hervor, wie lange die Einsatzkräfte vom Eingehen des Notrufs bis zum Erreichen der Einsatzstelle gebraucht haben. Laut Gesetz darf dies 12 Minuten in Anspruch nehmen.

Nach Informationen der Presseagentur dpa prüft die Polizei aktuell, ob die Erziehungsberechtigen der Kinder gegen ihre Aufsichtspflicht verstoßen haben.

In Deutschland ist Ertrinken bei Kindern zwischen 1 und 5 Jahren die häufigste Todesursache. Medizinisch wird dabei zwischen primärem Ertrinken (Tod innerhalb von 24 Stunden durch Sauerstoffmangel) und Sekundärem Ertrinken (Tod aufgrund von Wasser in der Lunge und dessen Folgeschäden) unterschieden.

Besonders tückisch: Kleinkinder sind bereits im flachen Wasser gefährdet und können wörtlich in Pfützen ertrinken. „Wegen ihres hohen Schwerpunkts können hingefallene Kinder nicht einfach die Beine unter den Körper ziehen und aufstehen. Fallen sie mit dem Kopf ins Wasser, löst dies eine Art Schockreaktion aus, die Stimmritze im Rachenraum schließt sich und macht die Atmung unmöglich“, zitiert das Helios-Magazin einen Facharzt. Doch auch bei größeren Kindern ist Ertrinken eine tückische Gefahr: Ertrinkende schreien nicht, auch Erwachsene nicht. Wer um Luft ringt und damit kämpft, das Gesicht über Wasser zu halten, kann nicht schreien. Während Erwachsen dabei die Arme instinktiv in die Höhe strecken, fallen Kinder meist in einen Schockzustand und versinken regungslos und still unter Wasser.

Das könnte Sie auch interessieren: