Merkels schockierende Corona-Prognose wurde bereits übertroffen

Vor zwei Wochen rechnete Angela Merkel mit einem Horror-Szenario bis Weihnachten. 19.200 Neuinfektionen pro Tag sollen es dann sein. Tatsächlich ist diese Berechnung bereits überholt. Die Kurve ist viel steiler.

Angela Merkel benutzte keine hochkomplizierte Wissenschaft als sie vor zwei Wochen ihre eigene Corona-Prognose abgab. Sie betrachtete einfach die Zahlenentwicklung der vergangenen Wochen und rechnete, wie es mathematisch betrachtet weitergehen wird, wenn sich nichts verändert. Doch offensichtlich hat sich etwas verändert. Denn Merkels Prognose, dass an Weihnachten 19.200 Neuinfektionen pro Tag auftreten, ist mathematisch überholt. Schon jetzt wurden die Zahlen der Merkel-Rechnung übertroffen. Das aktuelle Infektionsgeschehen ließ die Rechenkurve steil in die Höhe schnellen. Damit sind 19.200 Neuinfektionen pro Tag schon weitaus früher zu erwarten.

Der Bonner Top-Virologe Hendrik Streeck gab Merkels Zahlen mathematisch recht. Relativierte jedoch ihre Bedeutung. Auch er hielt es für wahrscheinlich, dass die Infektionszahlen „massiv nach oben gehen werden“ aber er warnte davor, sich vor einer apokalyptischen Zahl wie 20.000 Angst machen zu lassen. „Weil ein milder Verlauf oder ein Verlauf ohne Symptome trägt nicht so stark zum Infektionsgeschehen bei“, erläuterte Streeck und ergänzte: „Die Infektionszahlen sagen nur bedingt etwas aus, weil nur ein geringer Anteil wirklich eine medizinische Versorgung braucht“.

Anders schätzt der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach die Lage ein. In der ARD-Talkshow „maischberger. die woche“ betonte Lauterbach, dass die Infektionswelle inzwischen wieder ältere Anteile der Bevölkerung erreiche. Dies habe man auch daran bemerkt, dass in der vergangenen Woche doppelt so viele Intensivpatienten gemeldet worden sind als zuvor. „Geht man nun also von 20.000 Neuinfizierten täglich aus, würden etwa 200 Menschen am Tag sterben“, schließt der SPD-Mediziner. Damit bezieht Lauterbach sich einerseits auf Streecks 20.000, andererseits auf eine Prognose des Berliner Virologen Christian Drosten.

Der Charité-Direktor sprach in seinem Podcast von einer Sterbequote von 1% in Anbetracht der Altersstruktur in Deutschland. Er bezog seine Analyse auf Studien aus den USA, wo anhand der hohen Infektionszahlen eine präzise Infektionssterblichkeit errechnet werden konnte. „Das heißt, wir müssten in Deutschland mit einer Infektionssterblichkeit rechnen, die nach dieser Auswertung so an die ein Prozent rangeht oder sogar knapp über ein Prozent geht“, sagte Drosten.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag meldete das Robert-Koch-Institut mehr als 4000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Dieser Anstieg brachte die bisherigen Berechnungen ins Wanken und veranlasste die Bundeskanzlerin, eine Konferenz mit den Bürgermeistern der größten, deutschen Städte zu beantragen. Die Schalt-Konferenz soll am Freitag-Mittag stattfinden.