Millionen Kassenpatienten betroffen: Zusatzbeitrag schießt in die Höhe

Eine Hiobsbotschaft für Millionen von Kassenpatienten. Eine der größten Krankenkassen des Landes hat angekündigt, dass ihr Zusatzbeitrag steigen muss – und das leider nicht gerade geringfügig. Darüber hinaus stehen auch in anderen Bereichen Änderungen an.

Letzte Woche wurde das Sparpaket der Bundesregierung vom Bundestag beschlossen. Trotz der von einigen Seiten geäußerten Bedenken bleibt zu hoffen, dass es die gewünschten Ergebnisse bringt. Die Reform ist jedoch noch nicht in Kraft getreten, und für Millionen von Kassenpatienten bahnt sich aktuell ein Schock an.

Krankenkasse kündigt deutliche Erhöhung des Zusatzbeitrags an
Die zehntgrößte Krankenkasse Deutschlands, die IKK Classic, hat angekündigt, dass sie ihren Zusatzbeitrag ab dem 1. August erhöhen muss – und zwar um 0,45 Prozentpunkte. Für ihre rund 2,3 Millionen Mitglieder bedeutet dies einen neuen Zusatzbeitragssatz von 3,85 Prozent: eine Erhöhung der Zahlungen um bis zu 13 Euro pro Monat für Arbeitnehmer und bis zu 26 Euro pro Monat für Selbstständige. Wie t-online schreibt, gehört die IKK Classic damit zum oberen Drittel der teuersten Krankenkassen. Die derzeit teuerste ist die BKK24 mit einem Zusatzbeitrag von 4,39 Prozent, die günstigste mit 2,5 Prozent die Tui BKK.

Die IKK Classic nennt als Gründe für die Erhöhung höhere Ausgaben und einen gestiegenen demografischen Druck sowie Aufgaben, die – aus Sicht der Krankenkasse – nicht ausreichend finanziert sind. Es bleibt zu hoffen, dass – wie von der Reform beabsichtigt – solche zusätzlichen Beitragserhöhungen in der Zukunft nicht mehr notwendig sein werden.

Weitere Schocks für Kassenpatienten möglich
Bis dahin müssen sich Kassenpatienten jedoch weiterhin auf die Möglichkeit solcher Schocks einstellen. Vor allem angesichts dessen, was Ende letzter Woche bekannt wurde: Mit Inkrafttreten der neuen Regelung sind die Krankenkassen gesetzlich nicht mehr verpflichtet, die Versicherten im Voraus über Zusatzbeitragserhöhungen zu informieren. Diese Pflicht wurde offenbar versehentlich gestrichen, mit der unglücklichen Folge, dass es für Kassenpatienten ohne diese Regelung künftig sehr schwierig sein wird, von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen, um zu einer anderen Krankenkasse zu wechseln.

TKK kündigt fast alle Hausarztverträge
Auch andere Krankenkassen nehmen Änderungen vor: Die TKK, Deutschlands größte Krankenkasse, hat kürzlich angekündigt, dass sie zum Jahresende in 13 Bundesländern die Hausarztverträge kündigen wird (in Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt gelten gesonderte Verträge). Der Grund dafür ist, dass das Programm in seiner derzeitigen Form der TKK nach eigenen Angaben 160 Millionen Euro an Mehrkosten verursacht, ohne die gewünschten Ergebnisse in Form einer Verringerung der Facharztbesuche oder der Krankenhausaufenthalte zu erzielen. Daher muss ein neues Programm ausgehandelt werden – welche Auswirkungen dies für die Versicherten der TKK haben wird, bleibt abzuwarten.

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Oskar Herbert