Missbrauchs-Skandal: Erzbischof fordert Papst-Rücktritt

Kritiker sprechen vom 9/11 der katholischen Kirche: Der Missbrauchsskandal hat die Spitze der katholischen Kirche erreicht. Erzbischof Viganò fordert den Papst-Rücktritt und veröffentlicht eine explosive Stellungnahme.

2012 ließ Papst Benedikt die „Vatileaks“ aufklären: Darin lägen Beweise für Netzwerke einflussreicher Geistlicher, die die Taten pädophiler Priester deckten. 2013 wurden die heiklen Akten dem neuen Papst Franziskus übergeben. Die BILD-Zeitung fragt: Trat Papst Benedikt zurück, weil er sich zu schwach für den Kampf gegen einflussreiche Kirchenfürsten fühlte? Wörtlich sagte er damals, dass seine „Kräfte (…) nicht mehr geeignet sind, um (…) den Petrusdienst auszuüben“. Hoffte er, sein Nachfolger hätte die Kraft zu handeln? Franziskus handelte offensichtlich nicht. Das Gegenteil wird ihm vorgeworfen.

Ex-Kardinal von Washington Theodore McCarrick (88), dem der Missbrauch von Seminaristen und mindestens zwei Minderjährigen vorgeworfen wurde, wurde unter Papst Franziskus weiter gefördert. Erzbischof Carlo Maria Viganò (77) behauptet, Strafen, die Vorgänger-Papst Benedikt XVI. wegen der Missbrauchsvorwürfe gegen McCarrick verhängt hatte, seien vom neuen Papst aufgehoben worden.

In einer 11-Seiten-Stellungnahme erhebt er dramatische Vorwürfe gegen den Papst und andere Vertreter der Katholischen Kirche: Angeblich habe Viganò bereits 2006 und 2008 den Vatikan über Vorwürfe gegen McCarrick informiert. Der Vatikan hätte damals geschwiegen. Papst Benedikt XVI hatte jedoch reagiert und McCarrick dienstlich eingeschränkt, außerdem sollte McCarrick nach Benedikts Forderungen ein Leben in Gebet und Buße führen. Die Strafmaßnahmen waren bislang nicht öffentlich bekannt geworden. Zudem hielt sich McCarrick angeblich nicht an die Auflagen. Viganò behauptet, er habe Franziskus darüber informiert. Trotzdem habe der neue Papst McCarrick zu einem seiner engsten Berater für die Beziehungen zur USA gemacht. Erst dieses Jahr hatte Franziskus die Strafen wiederbelebt – nachdem die Vorwürfe gegen McCarrick öffentlich wurden.

Viganò fordert deshalb den Rücktritt von Papst Franziskus: Der Papst solle „seine Fehler anerkennen“ und „den Kardinälen und Bischöfen ein gutes Beispiel geben, die McCarricks Missbrauch vertuscht haben, und mit ihnen gemeinsam zurücktreten“

Der Papst erklärte: „Ich werde dazu kein Wort sagen. (…) Lesen Sie die Erklärung sorgfältig durch und treffen Sie Ihr eigenes Urteil.“ Zuvor hatte er die Bischofskonferenz-Vorsitzenden aus der ganzen Welt zu einer viertägigen Krisen-Konferenz über den „Schutz von Minderjährigen“ nach Rom eingeladen. Das Krisentreffen soll im Februar 2019 stattfinden.

Seit der Veröffentlichung des skandalösen Papieres ist Erzbischof Viganò untergetaucht. Gerüchteweise fürchte er um sein Leben. Der Blogger und Vatikan-Kenner Marco Tosatti sagte laut BILD, der frühere Papst-Vertraute sei „besorgt“ und bleibe deshalb „nicht nur für Journalisten versteckt“.