Mögliche Ursache für Thrombosen nach Impfung gefunden

Im Zusammenhang mit einer AstraZeneca-Impfung kam es in mehreren Fällen zu Thrombose. Nun haben Greifswalder Wissenschaftler eine Erklärung für diese Ereignisse. Derweil unterbreitet der Virologe Alexander Kekulé einen Vorschlag, damit die verlorene Zeit beim Impfen wettgemacht werden kann.

Nach Angaben der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) hält ein Wissenschaftler einen bestimmten Mechanismus für die Ursache, dass mögliche Thrombose-Fälle nach einer AstraZeneca-Impfung auftreten. In seltenen Einzelfällen kann es über eine Immunantwort des Körpers zu einer Aktivierung der Blutplättchen kommen, die am Ende zu der schwerwiegenden Hirnvenenthrombose mit Blutplättchenmangel führen kann. Das teilte die UMG am Freitag mit.

Bereits am Donnerstag hatten Forscher aus Norwegen eine ähnliche Vermutung aufgestellt. Pal Andre Holme von der Uniklinik in Oslo vermutet, dass die Bildung dieser Blutgerinnsel durch eine starke Immunantwort und eine damit einhergehende Antikörperbildung, die dann an die Blutplättchen andocken und aktivieren, laufen könnte. Allerdings sind solche Ideen bislang reine Spekulation.

Der NDR hatte zuvor über Angaben des Leiters der UMG-Abteilung Transfusionsmedizin, Andreas Greinacher, berichtet. Mittels Tests lasse sich nachweisen, ob der zugrundeliegende Abwehrmechanismus aktiviert worden ist.

Der zeitweise Stopp der AstraZeneca-Impfungen sei durch Fälle dieses speziellen Problems in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung erfolgt. Allerdings hatte die Europäische Arzneimittelbehörde EMA keine Hinweise darauf gefunden, dass es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen und den Impfungen gab. Am Donnerstag bekräftigte sie die Sicherheit des Impfstoffes.

Kekulé will AstraZeneca-Unterbrechung durch Einmalimpfung wettmachen

Daher werde nun eine Warnung für die Impfung mit AstraZeneca ausgesprochen, dass bei Frauen unter 55 Jahren in seltenen Fällen Hirnvenenthrombosen entstehen können. Am heutigen Tage sollen in Deutschland die Impfungen wiederaufgenommen werden.

Wegen der Unterbrechung fordert der Virologe Alexander Kekulé einen Umstieg auf eine „Notstrategie“ bei Corona-Impfungen. Aufgeholt werden könnte diese Unterbrechung, wenn zuerst alle Älteren zunächst nur einmal geimpft werden. „Denn das schafft eine Teilimmunität, die schon sehr weitgehend vor Erkrankungen und noch zuverlässiger vor dem Tod schützt.“ Die Datenlage sei eindeutig: „Durch eine einzige Impfung kann das Sterben beendet und Corona der Schrecken genommen werden, was ein Leben mit einer höheren Inzidenz erlauben würde.“

Geäußert hatte sich Kekulé nach der Entscheidung der EMA. Nun biete sich die Chance, „ein Volllaufen der Intensivstationen und hohe Sterberaten trotz hoher Inzidenzen abzuwenden“, sagte der Direktor des Instituts für Virologie der Universität Halle-Wittenberg: „Das Problem ist eine Impflücke bei den ab 65-Jährigen, denn ab dem Alter steigt das Corona-Risiko deutlich. Wenn wir diese Gruppe schneller impfen, bleibt die Lage beherrschbar.“