Nach langer Misswirtschaft: Deutscher Fernsehkanal geht vom Netz

Ein Augsburger Unternehmer brachte den Sender erst groß raus. Jahre später landete der Fernsehmacher vor Gericht. Das Todesurteil für den Sender. Ende März ist Schluss mit „tm3“ – ehemals „blizz“ und „Family TV“.

Den Namen kennt wohl jeder: „tm3“, „tm3 plus“, ehemals „blizz“ und „Family TV“. Die Ära des deutschen Durchstarter-Senders geht zu Ende. Am 31. März sendet „tm3“ zum letzten Mal. „Die Entscheidung erfolgt aus persönlichen, gesundheitlichen und finanziellen Gründen“, sagt der Medienunternehmer und nennt dabei eine Herzkrankheit und Burn-Out als Gründe. Allerdings ist der Sender auch pleite und der Mann steht nicht nur vor einem Schuldenberg sondern auch vor einer Vielzahl an Klagen.

„tm3“-Chef Timo C. Storost startete mit 18 Jahren als Fernsehunternehmer durch. Gleich zu Beginn schnappte er sich die Senderechte an der Champions-League und beherrschte die Saison 1999/2000. Wenig später wurde der Ur-Sender zum Call-in-Format „9Live“. Storosts ITV Media Group machte mit „blizz“ und „Family TV“ weiter. Die ITV Media Group besorgte sich Lizenzen für das Breitkabelnetz, die Ausstrahlung in einem Satellitenprogramm sowie die Lizenz zur Verbreitung von Spielfilmen und machte damit eine steile Karriere in der deutschen TV-Welt.

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Vor einigen Monaten begann das Bild zu kriseln. Storost verlor die erste Lizenz, weil die Sender nicht mehr den Zulassungsvoraussetzungen entsprachen, heißt es auf dwdl. Der inzwischen 29-jährige Blitzunternehmer taufte die Formate kurzerhand wieder um: Aus „Family TV“ wurde wieder „tm3“ und „blizz“ bekam den Namen „tm3 plus“. Daneben versuchte er den Beschluss anzufechten. Doch die Gerichtsmühlen malten weiter und gruben alles aus. Es kam ans Licht, dass die ITV Media Group bereits seit 2014 zahlungsunfähig ist, der Verantwortliche jedoch versäumt hatte, Insolvenz anzumelden. Am Ende sah der „tm3“-Gründer sich gleich drei Strafen gegenüber und kam nur haarscharf an einer Haftstrafe vorbei. Die Anklagepunkte belaufen sich auf Fahren ohne Fahrerlaubnis, Betrug, Urkundenfälschung und nicht angemeldete Insolvenz, berichtet die „tz“. Storost stampft den Betrieb schließlich ein. Dass er pleite ist, gibt er jedoch nur halbherzig zu und betont die „eigene Entscheidung“ und „persönliche Gründe“ in seinen Stellungnahmen.

Das Medienunternehmen hinterlässt einen Schuldenberg von über einer Millionen Euro. Darunter befinden sich Rechnungen für Software und Spielfilm-Lizenzen in fünfstelliger Höhe. Aber auch kleine- und mittelgroße Gläubiger schauen in die Röhre, recherchiert die Augsburger Allgemeine. So bliebe beispielsweise die Inhaberin eines Make-up-Studios auf einer Rechnung über 600 Euro sitzen.