

Eine einzige App, die alle Angaben über eine Person enthalten soll und den Halter von der Geburt bis zum letzten Atemzug begleitet, hört sich im Ausgangspunkt vielversprechend an. Wenn man nicht mehr in der Schublade kramen muss, um dringend notwendige Papiere zum Beispiel beim Bankkonto-Wechsel, einem Einstellungsgespräch oder nach dem Verlust eines Reisepasses/Personalausweises zu finden, kann man sich viel Zeit und Ungemach sparen.
Gerade aus diesem Grund hat die EU alle ihre Mitgliedsländer dazu verpflichtet, eine App unter dem Namen EUDI einzurichten. Die App soll alle wichtigen Dokumente über den Handy-Besitzer enthalten und über die einzelnen Landesgrenzen hinweg im gesamten Block gültig sein. Die Erstellung und Einrichtung der App wird den einzelnen EU-Mitgliedsländern überlassen und gemäß der Anordnung der Kommission bis Ende des Jahres eingeführt werden. Auch die Bundesrepublik hat mit den Vorbereitungen für die Veröffentlichung der App begonnen, die ab dem 2. Januar 2027 hierzulande erhältlich sein soll. Jetzt schlagen aber sowohl Daten- als auch Verbraucherschützer Alarm.
Eldorado für Cyberkriminalität
In Deutschland wird die App vorläufig „D-you“ genannt und von den Gesetzgebern als wichtiger Bestandteil der Entbürokratisierung präsentiert. Jetzt warnt aber der Bundesverband der Verbraucherzentrale (vzbv) eindringlich vor dem Gebrauch. Die Verbraucherschützer berufen sich bei der Warnung auf Technologieexperten, die viele, zum Teil schwere Sicherheitsbeanstandungen zu bemängeln haben. Zum einen erhalten die Dienstanbieter, die die App betreiben, zu viele persönliche Informationen, zum anderen werden die gesammelten Daten ein Eldorado für Cyberkriminelle darstellen. Laut Statistiken ist bereits jeder zehnte Erwachsene in Deutschland von Identitätsdiebstahl betroffen. Mit der neuen App könnte sich diese Zahl mehr als verdoppeln. „Wenn man alle Eier in einen Korb legt, darf dieser Korb im Idealfall niemals versagen“, sagt ein Dataexperte der Digitalrechte-NGO epicenter zu Euronews. Wer sein Smartphone abhanden kommt, verliert aufgrund der App gleichzeitig auch seine behördliche Identität.
Chaos unter den EU-Mitgliedern
Hinzu kommt, dass die EU trotz der bald auslaufenden Frist bisher keine einheitlichen Richtlinien veröffentlicht hat, die eine grenzüberschreitende Nutzung der Apps aus unterschiedlichen Mitgliedsländern gewährleisten. Viele Mitgliedsländer haben nicht einmal mit der Erstellung der App begonnen. Andere, darunter Frankreich und Italien, haben eigene Apps entwickelt, die unter anderem hierzulande nicht anerkannt werden. Schweden hat bereits bekannt gegeben, dass das Land auf keinen Fall vor 2029 die App einführen kann, und in Griechenland haben alle bisherigen Testversuche mit der App versagt. In allen EU-Mitgliedsländern erhöht sich zudem der Alarm, dass die EUDI-App mit ihrer enormen Ansammlung von persönlichen Daten am Ende nichts anderes als ein Instrument zur Überwachung der Bevölkerung darstellt.