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Özil zu Erdogan-Foto: „Ich würde es wieder machen“

Endlich hat sich Mesut Özil geäußert. Nach Wochen des Schweigens und vielfältiger Kritik zu seinem Foto mit Türkei-Präsident Erdogan hat Özil sich nun ausführlich auf Twitter geäußert. Er schreibt, dass er einige Wochen brauchte um die Ereignisse zu reflektieren und darüber nachzudenken.

Allerdings schreibt er auch: „Ich würde das Foto wieder machen.“

Zunächst fällt bei Özils Antwort auf, dass Sie in Englisch verfasst ist, obwohl das Thema eigentlich vor allem Deutschland und die Türkei betrifft. Die deutschen Fans fühlten sich durch das Foto irritiert und es war auch die deutsche Presse, die das Erdogan-Foto und die Reaktionen darauf breit widerspiegelte. International, d.h. auch in der englischsprachigen Presse, war diese Geschichte nur eine Randnotiz.

Nun hat Özil auf Twitter in einem ausführlichen Brief seine Sicht der Dinge dargelegt. Er beruft sich auf seine Herkunft und seine Eltern und Großeltern, die aus der Türkei stammen. Seine Mutter habe ihn immer gelehrt, Respekt vor seiner Herkunft, den Vorfahren und Familientraditionen zu haben. Und sein Herz sei nun einmal zweigespalten: Zum einen Deutsch, zum anderen auch Türkisch. Und genau deshalb habe er dieses Foto gemacht. Aus Respekt vor dem Heimatland seiner Eltern und Vorfahren, sowie aus Respekt vor dem höchsten Amt in diesem Land.

Er schreibt, ihm sei es nie darum gegangen, Politik zu machen oder bestimmte politische Tendenzen zu unterstützen. Sondern ausschließlich um ein Zeichen des Respekts vor seiner türkischen Herkunft. Auch habe er mit Erdogan nie über Politik gesprochen, sondern ausschließlich über Fußball, schließlich sei Erdogan in seiner Jugend auch Fußballer gewesen.

Zuletzt beruft sich Özil darauf, dass er Erdogan zuerst bei einem Deutsch-Türkischen Fußballspiel im Jahr 2010 getroffen habe, bei dem Merkel und Erdogan Zuschauer waren. Weiterhin habe auch die Queen und die britische Premierministerin Erdogan als Präsident der Türkei empfangen. Und genauso habe er (und würde er auch wieder) sich mit dem Präsidenten als höchster Amtsperson der Türkei gezeigt, ganz gleich wer diese Person sei.

Die Argumente von Özil mag man nachvollziehen können oder nicht. Fakt ist, die Affäre hinterlässt einen faden Beigeschmack. Zum einen war Erdogans Verhalten 2010 noch deutlich gemäßigter als 2018. Zum anderen ist es ein Unterschied, ob sich ein Staatsoberhaupt mit einem Amtskollegen trifft oder ob ein Weltstar durch seine Präsenz de facto Wahlwerbung für einen autokratischen Führer macht.

Auch klingt Özils Brief nur wenig authentisch sondern vielmehr wie ein ausgefeiltes PR-Schreiben, an dem PR-Experten tagelang gefeilt haben und als vermeintlich cleveren (aber eben auch durchschaubaren) Schachzug die Queen, Merkel und Theresa May als Sekundanten für Özils Verhalten einbauen. Was Özils tatsächliche Meinung zu diesem Thema ist, bleibt nach diesem PR-Schreiben komplett offen.

In einem später veröffentlichten Post rechnet Özil mit DFB, deutschen Medien und seinen Sponsoren ab:

Die Kritik an Özils Statement ließ auch auf Twitter nicht lange auf sich warten: