Schießt wieder ein Irrer auf fahrende Autos?

Eine mysteriöse Serie von Auto-Abschüssen ist höchst beunruhigend. Sowohl in Bremen als auch in Niedersachsen häufen sich die Verdachtsmomente. Verletzte hat es glücklicherweise bis jetzt keine gegeben.

Inzwischen liegen der Polizei zwei vermeintliche Autobahn-Abschüsse auf der A28 vor. Am Donnerstag wurde ein Transporter auf der Fahrt von Emstek nach Schneiderkrug beschädigt. Jetzt meldete sich ein LKW-Fahrer, dessen Windshcutzscheibe mutmaßlich beschossen wurde. Der Zeuge hatte beim Durchfahren einer Brücke auf der A29 zwischen Jaderberg und Varel am Sonnabend einen Knall gehört und anschließend ein Loch in der Windschutzscheibe bemerkt. Die Polizei ist alarmiert und hat eine Ermittlungsgruppe gegründet. Gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft ermittelt das Team unter anderem wegen versuchter Tötung. Bis jetzt liegen jedoch keine weiteren Hinweise zu den Geschehnissen vor.

Fast zeitlich schlug ein Autoschütze in Bremen zu. Dieser Schütze zielte im Bremer Stadtteil Vahr auf ein Fahrzeug. Auch hier wurde niemand verletzt. Die Polizei rückte sofort an und konnte einen 44-jährigen Tatverdächtigen festnehmen. Zuvor wurden auf der Autobahn 1 bei Bremen zwei Wohnwägen durch vermeintliche Schüsse beschädigt. Ermittler konnten Einschusslöcher und Projektile in den Wohnwägen nachweisen. Ob es einen Zusammenhang zwischen beiden Fällen gibt, ist unklar. „Wir puzzlen jetzt erst einmal die Stücke für Bremen zusammen. Ob wir dann in einem zweiten Schritt weitere Zusammenhänge prüfen, ist derzeit noch nicht abzusehen“, sagte Frank Passade, Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft, NDR.de.

Die Sachlage bei mutmaßlichen Autobahn-Schüssen ist schwierig. Fälle aus der Vergangenheit zeigen, dass es der Polizei nicht immer gelingt, derartige Geschehnisse aufzuklären. Zwischen 2014 und 2016 wurden auf Rügen 22 Fälle in Serie gemeldet. Zahlreiche Autofahrer meldeten, dass deren Windschutzscheiben mit einem lauten Knall beschädigt worden waren. Bei einem Dutzend der Fahrzeuge konnten Spuren an den Scheiben gesichert werden: In den Eintrittslöchern wurden eisenhaltige Partikel nachgewiesen, diese hätten von Kugeln, allerdings auch vom Straßenbelag stammen können. Deshalb konnten die Ermittler nicht mit Sicherheit sagen, ob es sich um Einschusslöcher oder um Steinschlag-Schäden handelt. Nachdem auch keine Spuren eines möglichen Schützen an den „Tatorten“ gefunden wurden, stellte die Polizei die Ermittlungen schließlich ein.

Derartige Fälle können sich jedoch auch Jahre hinziehen, bis eine Klärung gefunden wird. Zwischen 2008 und 2013 soll ein 57-jähriger Kraftfahrer über 700 Mal von der Autobahn aus auf Lastwagen und Autos geschossen haben. Nach der Festnahme wurde bekannt, der Mann war traumatisiert. Er rechtfertigte seine Tat mit der Auffassung, dass es im Straßenverkehr zuginge wie im Krieg.