Studie prognostiziert: Bis 2050 sind westliche Männer zeugungsunfähig

Die Zeugung auf natürlichem Wege könnte schon bald Geschichte werden. Die Zeugungsfähigkeit von Männern der westlichen Nationen ist dramatisch gesunken. Schuld daran sollen Umweltgifte sein, aber auch Lifestyle-Einflüsse wie Übergewicht, Alkohol und Zigaretten.

Immer mehr Paar sind ungewollt kinderlos und/oder erleiden Fehlgeburten. Neben möglichen Ursachen im weiblichen Körper rückten Wissenschaftler nun die Qualität des Spermas in den Mittelpunkt der Untersuchungen. Was sie entdeckten, ist alarmierend.

Eine internationale Wissenschaftlergruppe um Hagai Levine von der Hebrew University in Jerusalem habe in einer Metastudie Samenspenden von 42.935 Männern ausgewertet, berichtet „Focus Online“. Demnach sei die durchschnittliche Spermienzahl pro Samenerguss zwischen 1973 und 2011 um knapp 60 Prozent gesunken und sie sinke weiterhin. Die Wissenschaftler prognostizieren, dass jedes Jahr 1,6 Prozent weniger Samenzellen im Sperma vieler Männer enthalten seien. „Das ist ein dringender Weckruf“, warnt Levine. Wenn die Entwicklung so weiterginge, sei in spätestens 30 Jahren für die meisten Paare eine Zeugung auf natürlichem Weg nicht mehr möglich, so der Experte für Reproduktionsmedizin. Ob künstliche Befruchtung das Zeugungsproblem lösen kann, muss noch geklärt werden. Die Fehlgeburtenrate nach künstlichen Befruchtungen ist hoch.

Der Spermienmangel sei jedoch nicht nur ein alarmierendes Zeichen für die Entwicklung der Menschheit, er sei auch gesundheitlich bedenklich. „Weniger Spermien gehen einher mit mehr Krankheiten und frühem Tod“, sagt Levine. „Dieser Zusammenhang ist wissenschaftlich belegt.“

Betroffen seien von der Veränderung hauptsächlich Männer aus Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland. Bei Männern aus Südamerika, Afrika und Asien wurde das Problem noch nicht nachgewiesen. Die Wissenschaftler vermuten, dass Umwelteinflüsse zusammen mit Übergewicht, Alkohol- und Zigarettenkonsum an dem Phänomen schuld sein könnten. Laut „Focus Online“ stehen vor allem Chemikalien unter Verdacht, die sich im Körper wie Hormone verhalten. Weichmacher in Plastik und UV-Blocker in Sonnencremes werden an erster Stelle genannt. Seit längerem stehen Phthalate in der Kritik. Die Weichmacher in Plastikmaterialien werden jährlich millionenfach hergestellt und wurden inzwischen überall auf der Welt nachgewiesen: Im Wasser, in Lebensmitteln, in der Luft und im menschlichen Körper. Hinlänglich bekannt ist auch, dass Phthalate sich im Körper wie das weibliche Hormon Östrogen verhalten. Die Körper werden dadurch weiblicher, auch die der Männer.

Die Reproduktionsmedizinerin Shanna Swan von der Mount Sinai School of Medicine in New York hat herausgefunden, dass Phthalate schon in der Schwangerschaft die körperliche Entwicklung von männlichen Babys beeinflussen. Betroffene Kinder hätten bis ins Erwachsenenalter weniger Spermien sowie kleinere Hoden und Penisse.