Verluste und Unpünktlichkeit bei der Bahn – das soll sich ändern

Die Zahlen der Bahn sind dramatisch: Jeder fünfte Fernzug kommt verspätet am Ziel an. Der Regional- und Güterverkehr fährt Verluste ein. Ein Maßnahmenpaket soll Besserung schaffen.

Zunächst einmal schien der Sündenbock für die Bahn auf der Hand zu liegen: das chaotische Wetter! Der Starkregen, die Gewitter und Überschwemmungen hätten zahlreiche Verspätungen verursacht. Dem Aufsichtsrat reicht diese Entschuldigung mit Schulterzucken Richtung Höhere Gewalt nicht. Wie der SPIEGEL berichtet, stellte das Controlling viele Indizien fest, wonach „noch keine Trendwende“ in Sachen Pünktlichkeit zu erwarten sei.

Deshalb will die Bahn nun 140-Millionen Euro investieren. Mit dem millionenschweren Maßnahmenpaket soll dem Verspätungssyndrom Einhalt geboten werden. Auch der höheren Gewalt möchte man die Stirn bieten: Darum hat die Bahn angekündigt das Streckennetz auf notwendige Baumfällungen zu inspizieren. Nach Angaben der ARD könnten Zehntausende Fällungen die Konsequenz sein. Felix Gerhardt vom Bahn-„Team Naturgefahrenmanagement“ erklärte dem Sender: „Wenn uns tote, kranke oder faule Bäume auffallen, dann werden die entnommen“ Mit der Groß-Maßnahme möchte die Deutsche Bahn auf die kommende Sturmsaison vorbereitet sein. „Im Wald tut mir jeder Baum leid, den man fällen muss. Aber an der Strecke nicht.“ ergänzt der Manager für Naturgefahren. Zurückgeschnitten oder gefällt wird alles, was zu nah an den Gleisen wächst, zu groß wird oder instabil scheint. Die Bahn verspricht allerdings auch Bäume zu rekultivieren. Die Vegetation an den Gleisen bringt nicht nur Nachteile, sondern dient dem Lärmschutz, der Bodenstabilisierung und als Schutz vor Schneeverwehungen.

Die bundesweite Maßnahme nennt sich „Aktionsplans Vegetation“ und soll noch dieses Jahr 150 Arbeitsplätze für Forstmitarbeiter schaffen. Das bisher 1000-Mann-und-Frau-starke Team soll Sicherheit und Pünktlichkeit gewährleisten. Allerdings sind die Verspätungen nicht das einzige Problem der deutschen Bahn: Frachtzahlen und Produktivität bringen immer weniger Absatz und auch der Regionalverkehr schreibt rote Zahlen.

Die beiden Themen Pünktlichkeit und Kosten sind Dauerbrenner bei der Bahn. 2016 beispielsweise stoppte der Konzern den Stellenabbau im Zuge umfassender Sparmaßnahmen, weil man festgestellt hatte, dass Pünktlichkeit und Service der Güterbahn darunter litten. Nachdem die Sparte sich zu erholen schien, wurde der Spieß wieder umgedreht.

Bahnvorstand Pofalla fühlt sich mit den Herausforderungen des Konzerns offensichtlich nicht ausgelastet. Er kündigte eine zusätzliche Tätigkeit in der Kommission der Bundesregierung zum Kohleausstieg an.