Vogelgrippe H5N8 springt auf Menschen über

Der Vogelgrippe-Erreger H5N8 ist erstmals auf Menschen übergesprungen. Der Ausbruch ereignete sich in einer Geflügelfabrik in Russland.

Erstmals wurde eine Übertragung des Vogelgrippe-Virus H5N8 auf Menschen nachgewiesen. Den Ausbruch meldete die russische Verbraucherschutzbehörde am Samstag. Demnach haben sich sieben Arbeiter einer Geflügelfabrik im Süden Russlands mit der sogenannten Geflügelpest infiziert. Die Weltgesundheitsorganisation habe man bereits über das Ereignis informiert, hieß es.

Anna Popowa, die Chefin der Verbraucherschutzbehörde sagte: „Informationen über den weltweit ersten Fall der Übertragung der Vogelgrippe (H5N8) auf Menschen wurden bereits an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gesendet“. Über die infizierten Mitarbeiter sagte sie, diese fühlen sich „gut“. Sie zeigten demnach keine besorgniserregenden Symptome und seien inzwischen wieder genesen. Außerdem gebe es keine Hinweise darauf, dass H5N8 auch von Mensch zu Mensch übertragen werde.

Dass dieser Virenstamm von Tieren auf Menschen übertragen werden kann, war bislang nicht bekannt. Andere Varianten des Vogelgrippe-Virus stellen unterdessen schon länger ein Übertragungsrisiko für den Menschen dar. Die sogenannte Geflügelpest befällt vor allem Wildgänse und Enten, kann sich aber auf Farmtiere und über diese auf den Menschen übertragen.

Bei Vogelgrippe handelt es sich um Influenza-A-Viren, von denen es verschiedene Stämme gibt. Zwischen 2014 und 2016 sorgte vor allem H5N1 weltweit für Schlagzeilen. Damals hatte man große Sorge vor einer Pandemie, da H5N1 beim Menschen sehr schwere Grippesymptome hervorruft. Das Robert-Koch-Institut rechnet mit einer Letalität von 30 bis 80 Prozent.

Trotz des großen Medieninteresses sind Übertragungen der Vogelgrippe auf den Menschen bisher eine Seltenheit. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) infizierten sich zwischen 2003 und 2020 weltweit 861 Menschen mit dem Vogelgrippe Typus H5N1. Mehr als die Hälfte der Infizierten starben jedoch daran. Vogelgrippe beim Menschen wurde bisher vor allem in Asien und Nordafrika beobachtet, in Gegenden, wo Menschen und Tiere eng zusammenleben.

Virologen beobachten das Vogelgrippe-Geschehen jedes Jahr mit Sorge, da eine Mutation, die sich leichter auf den Menschen überträgt, jederzeit auftreten kann. Davon abgesehen stellt der Befall von Geflügel immer wieder einen immensen wirtschaftlichen Schaden und großes Tierleid dar. Während Wildvögel die Infektion meist mit milden Symptomen überstehen und daher auch über weite Strecken weitertragen können, ist die Sterblichkeit bei Zucht-Geflügel sehr hoch. Im Winter 2016/17 wurden wegen eines größeren Ausbruchs in Deutschland hunderttausende Tiere in Geflügelfarmen gekeult.