“Wäre einsatzbereit”: Gazprom setzt bei Gaslieferungen Westen unter Druck

Gazprom, der größte russische Gasanbieter, kann es sich derzeit problemlos leisten, den Westen unter Druck zu setzen. Die Preise steigen unaufhaltsam an und so ist es verschmerzbar, die Liefermengen weiter zu drosseln. Angeblich gibt es einen schweren technischen Defekt in einer Turbine der Nord Stream 1 Pipeline, doch wäre die Lösung für den Chef des Unternehmens einfach. Und die heißt Nord Stream 2.

Für Gazprom ist es derzeit ein Einfaches, anderen Staaten seinen Willen bei der Lieferung von Gas aufzuzwingen. Unternehmenschef Alexej Miller sagte in St. Petersburg beim Wirtschaftsforum; „Unser Produkt, unsere Regeln. Wir spielen nicht nach Regeln, die wir nicht gemacht haben.” Kritik an den Kürzungen von Gaslieferungen in den letzten Tagen in Richtung Westen wies er mit diesen Aussagen zurück.

Offiziell werden Probleme bei Wartungsarbeiten an der Pipeline Nord Stream 1 als Grund angegeben. Dabei könne der Konzern Siemens wegen der anhaltenden Sanktionen nicht das gewünschte Bauteil liefern. Miller sagte dazu: „Die Turbine liegt in der Fabrik, Siemens kann sie nicht abholen, und nicht alle anderen Turbinen passen.”

Dies hält insbesondere der deutsche Wirtschaftsminister für politisches Kalkül. Damit soll der Westen unter Druck gesetzt werden, um so eine Lockerung der Sanktionen zu erreichen. Dagegen verwies Miller auf die Zuverlässigkeit seines Unternehmens bei der Lieferung von Energie. Doch nur Freunde Russland können davon tatsächlich profitieren.

Derzeit gebe es noch keine Lösung für die Probleme an der Verdichterstation. Von Siemens, dass mit der Wartung beauftragt wurde, sei keine Information zu erhalten, doch arbeite das Unternehmen an einer Lösung. Doch könne man mit dem Einsatz von Nord Stream 2 umgehend mehr Gas liefern, doch ist dieses Projekt von der Bundesregierung im Zuge des Ukraine-Konflikts auf Eis gelegt worden. Laut Miller ist die Röhre jederzeit startklar.

Die Gasexporte sind seit dem Beginn des laufenden Jahres in Länder außerhalb der ehemaligen Sowjetunion um rund 30 Prozent zurückgegangen. Doch hat die massive Preissteigerung des Energielieferanten dazu geführt, dass es keine Einschränkungen für Gazprom beim Umsatz gibt. Zudem steigt die Nachfrage in Asien stark an.

Da viele Länder sich weigern, ihr Gas in Rubel zu bezahlen, hat das Unternehmen bereits die Lieferungen nach Polen, Bulgarien, Finnland und auch die Niederlande gestoppt. Auch Deutschland zahlt gemäß den EU-Sanktionsbeschlüssen seine Lieferungen weiterhin in Euro, doch wandelt die Gazprom-Bank die Gelder in Rubel-Zahlungen um.

12 Kommentare

  1. tja, russland besteht auf deine Regeln, die aber nicht den vertragsbedingungen . Ich hoffe, Deutschland ‘kippt nicht um’ und besteht auf die vertragsmäßigen Konditionen.
    Kolateralschäden waren sicher zu erwarten, aber kann man Menschenleben gegen Gaslieferungen berechnen
    Ich persönlich hoffe, dass es Herr Habeck gelingt die Situation in Sachen Gas- und Stromlieferungen so weit zu klären. dass wir auf Russland lächelnd verzichten können
    Sollte dann irgendwann später ein Lieferangebot von Russland kommen könnten wir dankend abwinken.
    (Auch Wunschträume könnten Wirklichkeit werden)

  2. @ stef – so sehe ich das auch und hoffe, dass sich eine Lösung findet.
    Hätte unser alte Regierung nicht so geschlafen und anstatt auf nordstream 2 auf Flüssiggasanlagen gesetzt, hätten wir jetzt eine bessere Ausgangslage.
    Unsere neue Regierung hat ein schweres Erbe angetreten -hoffen wir, dass es ihnen gelingt.

  3. Natürlich war es einer Fehler, sich so einseitig auf russisches Gas zu verlassen.
    Aber was Nordstream 2 angeht: im Nachhinein ist man immer schlauer.
    Diese heutigen Besserwisser, vor allem auch Politiker der Grünen, sollten mal recherchieren, wie oft sie schon in ihrer Meinung und Prognose falsch gelegen hatten und vielleicht noch liegen werden!!

  4. Deutschland hat einen Gasvertrag mit Russland bis zum Jahr 2030. Mindestmengen an Gas müssen wir vertragsgemäß noch 8 Jahre lang bezahlen, auch, wenn “wir” uns lieber von wesentlich teurerem Gas anderer Lieferer abhängig machen wollen.
    Ob das Problem mit dem reparierten Verdichter, welcher wegen der Sanktionen nicht ausgeliefert werden kann, echt oder vorgeschoben ist, lässt sich leicht beweisen: Nordstream2 wäre einsatzfähig, wenn Deutschland sogleich mehr Gas haben will als es momentan bekommt.

  5. Ergänzung: Nordstream2 ist einsatzbereit und wird nicht von Gazprom blockiert sondern bekanntlich von Deutschland.

    Im Übrigen hatten sich die jeweiligen Länder, die nun kein russisches Gas mehr bekommen, geweigert die neue Kontoverbindung zu nutzen mit der die Umwandlung von Euro auf Rubel funktioniert. Deutschland hingegen hat das offensichtlich befolgt. Warum auch sollte Russland seine Gaslieferungen über eingefrorene Konten verschenken?

  6. Glaubt Ihr die Ressourcen von Russland sind dann einfach weg oder liegen brach? Diese werden über dunkle Kanäle und über „liebe“ Länder dann den Weg zu uns finden, deutlich teurer natürlich, aber das Gewissen ist rein oder was? Träumt weiter von einer schönen und gerechten Welt Ihr Phantasten…

    1. Baphomet sagt:
      20/06/2022 um 7:45 Uhr
      Glaubt Ihr die Ressourcen von Russland sind dann einfach weg oder liegen brach?

      Indien z.B. hat sehr viel Geld von Deutschland bekommen, damit kauft es Gas von Rußland, welches wir auch schon bezahlen (Vertrag) aber wegen Sanktionen nicht abnehmen. Wir können dann das Gas von Indien kaufen, ist ja dann kein russisches mehr und bezahlen dann dafür das doppelte. Das ist doch eine Rechnung die aufgeht. Vielleicht bekommen wir ja bald Spenden aus Indien und Afrika? Wir bezahlen Gas, was wir nicht bekommen, wir geben Geld nach Indien was dafür das Gas kauft, was wir schon bezahlt haben. Das kaufen wir dann teuerer nochmal und Putin wird dadurch so geschwächt weil er doppelt verdient, das er sicher nachts in sein Kopfkissen weint. Der Rubel ist inzwischen die stärkste Währung der Euro fast verloren. Fazit: die Sanktionen greifen, der Gewinner ist Rusland!

  7. Genauso ist es. Zwar wird es wohl eher Ungarn sein als Indien, das dieses Geschäftsmodell für sich entdeckt nach Vorbild Polen. Polen bekommt russisches Gas u.a. aus Deutschland und bezahlt es gern mit Aufpreis, um es als europäische Gas zu betrachten.

  8. Ich meinte damit, Ungarn wird in Europa Abnehmerländer für russisches Gas finden, die Gas brauchen und die es wie Polen als europäisches Gas betrachten. Die Zusatzkosten für die Zwischenhändler bezahlt der Verbraucher oder er friert. Und das Geniale daran: Putin ist schuld am Preisanstieg. Dabei hat Deutschland bereits 2021 seinen Gasmarkt liberalisiert und auf diese Weise die Preisdecklung abgeschafft, die es 50 Jahre lang gab zwecks Verhinderung solch Spekulantentums.

    1. Erdbeere sagt:
      20/06/2022 um 15:01 Uhr
      Ich meinte damit, Ungarn wird in Europa Abnehmerländer für russisches Gas finden, die Gas brauchen und die es wie Polen als europäisches Gas betrachten.

      Sie haben vollkommen Recht. Indien habe ich nur erwähnt, weil es aus Deutschland ja erst eine große Summe an Hilfsgelder gab.

  9. Hätte hätte Fahradkette, möglich machen was geht und in solchen Zeiten scheiss ich auf den Klimaschutz! Bevor ich im Winter frier setz ich mich ins Auto und lass den bei 5000 Touren durchlaufen….diese Weltverbesserer und Spinner gehen mir alle auf den Senkel…

  10. Ich weiß, Rio, dass Sie genau deswegen Indien erwähnt haben. Ihre Meinung finde ich köstlich gut dargelegt!

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